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Zürcher Kunst- und Antiquitätenmessen – Günstige Nutz- und Dekorationsobjekte

Von ihrer Bedeutung her lassen sich zwei Klassen von Kunst- und Antiquitätenmessen unterscheiden. Eine davon bilden die wenigen, aber wichtigen, sowohl von ihrer Ausstellerschaft als auch von ihrem Publikum her globalen Grossanlässe. Dazu gehören im Bereich der neueren Kunst die Basler Modernemesse Art Basel und für alte Kunst und Antiquitäten die Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf sowie die zweijährliche Pariser Biennale des Antiquaires. In die andere, wesentlich vielfältigere Gruppe fallen nationale und regionale Modernemessen von der Art Cologne bis zur Kunst Zürich sowie entsprechende Antiquitätenmessen.

Fürs grosse Publikum

Doch das Einzugsgebiet von Ausstellern und Kundschaft ist nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal solcher Anlässe. Mindestens so wichtig ist die thematische Ausrichtung. So wendet sich die Maastrichter Tefaf nur an Spezialisten und Kenner mit ernsthaftem Informations- und Kaufbedürfnis. Zufallsbesucher trifft man hier jedenfalls kaum. Andere Messen wie die vom 28.September bis 5.Oktober währende Zürcher Kunst- und Antiquitätenmesse ZKAM sind weniger elitär und richten sich mit ihrem thematisch wie preislich besonders breiten Angebot ebenso an den versierten Kenner wie an Zufallskäufer.
Für das Anlocken einer solchen Laufkundschaft genauso entscheidend wie die Angebotsmischung ist der Messestandort, und hier ist die ZKAM im Zürcher Kongresshaus günstiger gelegen als alle vergleichbaren Veranstaltungen der Schweiz. Während etwa ein Bankbesucher am Paradeplatz seinen Geschäften nachgeht, kann die Gemahlin die Auswahl an attraktivem und erst noch günstigem altem Schmuck an der ZKAM inspizieren.
Bezeichnenderweise ist der Bereich des alten Schmucks mit acht Spezialistinnen und Spezialisten an der ZKAM überdurchschnittlich gut vertreten. Aber auch sonst erweist sich dieser Anlass als reiche Fundgrube weniger für Museales als vielmehr für nutzbare Kunst, sei es für Möbel, Teppiche, Lampen und verwandte Einrichtungsobjekte oder für Gebrauchsgegenstände wie Tafelsilber, Porzellan und Tafelglas.
Dies gilt sogar für Spezialisten wie den Rüschlikoner Asiatica- und Antikenhändler Robert R. Bigler und den Luzerner Kunstkabinettspezialisten Peter Bader, die ihr Angebot sympathischerweise weniger auf ihr gewohntes Kennerpublikum zuschneiden, sondern vielmehr auf den weniger spezialisierten Kunstfreund. Die Messe ist im besten Sinne populär, ohne damit Abstriche an der Qualität, der Vielfalt oder der Originalität des Ausstellungsguts zu machen.
Einer der Schlüssel zu dieser wohltuenden Kundennähe liegt im handwerklichen Hintergrund vieler Aussteller, die sich aus dem veranstaltenden Verband Schweizerischer Antiquare und Restauratoren (VSAR) rekrutieren. Ein guter Restaurator mag vielleicht nicht so viel kunsthistorisches Hintergrundwissen zu einem bestimmten Möbel präsent haben. Dafür aber kann er (Ver-)Fälschungen sicherer entlarven als der theoretische Kunsthistoriker.
Altmeistermalerei gibt es an der ZKAM zwar kaum. Dafür zeigt der Hannoveraner Spezialist Stefan Brenske eine eindrucksvolle Auswahl griechischer und russischer Ikonen, die als enge Verwandte der Altmeistergemälde gelten können, und dies erst noch zu wesentlich bescheideneren Preisen. Brenske ist ein gutes Beispiel für die behutsame Öffnung dieser Messe, die nicht nach Internationalität um jeden Preis strebt, sondern ausländische Aussteller aus den Bereichen einlädt, mit denen das Messeangebot ergänzt werden kann.
Auch im Bereich der modernen Kunst muss nicht auf internationale Qualität verzichtet werden. Die in Zürich und New York tätige Kunsthandlung Barr & Ochsner präsentiert so Beachtliches wie das aus dem Nachlass der Künstlerfreundin Liese Gujer stammende Kirchner-Aquarell «Café Schneider» (17,3×21,8cm) aus der Zeit um 1925 für vernünftige 34000 Fr., während die Münchner Galerie Française Picassos Radierung «Le repos du sculpteur» (44,4×33,6cm) aus der Suite Vollard von 1933 für 22000 Fr. anbietet. Der Basler Messepräsident und Kunstantiquar Waldemar Gerber wartet gar mit einer Rarität auf, nach der sich selbst Topaussteller der Basler Elitemessen Art und Cultura die Finger lecken würden: einer vollständigen zwölfteiligen Serie der handgefertigten politpropagandistischen «Rosta-Plakate» des russischen Avantgardisten Wladimir Majakowski aus dem Jahr 1920. Die Pionierarbeiten der frühen abstrakten Kunst sind für 52000 Fr. zu haben.

Ikonen und Raritäten

Insgesamt haben die Messeverantwortlichen erfolgreich an der Verjüngung ihrer Veranstaltung gearbeitet, die in ihrem 31.Jahr mit einem neuen Messeplakat, einem aufgewerteten Katalog und einem verbesserten Messeaufbau antritt. Auch inhaltlich will man eine neue Käuferschaft erreichen, ohne die bisherigen Besucher zu vergraulen. So findet man unter den Möbeln und der verwandten Einrichtungskunst nach wie vor eine Fülle meisterhafter und dabei doch wohnlicher Möbel überwiegend schweizerischer Herkunft.
Daneben sind am Stand von Gerti Louries Basler Galerie Art Déco auch Möbel und Einrichtungsgegenstände aus der Zeit von Art déco bis zu den Siebzigerjahren des 20. Jh. zu finden. Die Kunsthändlerin widerlegt damit das Märchen vom vermeintlich unüberbrückbaren Klassenunterschied zwischen Cultura und ZKAM: Schliesslich ist sie, wie weitere ZKAM-Teilnehmer, auch an der Basler Eliteschau eine gern gesehene Ausstellerin.

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