Meinungen

Zugriffige Banken

In den vergangenen Jahren ist kaum etwas stärker gestiegen als die Gebühren der Geldhäuser. Die Kunden sollten das zum Anlass für eine Neupositionierung nehmen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Die Banken haben seit Einführung der Negativzinsen ihren Ertrag steigern können und bei sinkenden Kosten den Gewinn ansehnlich ausgebaut.»

Es ist ein stossender Vorgang. Die meisten Banken in der Schweiz zahlen der Nationalbank gar keinen Negativzins mehr, und dennoch verlangen viele von ihnen Negativzinsen von ihren Kunden – einige, wie PostFinance und Alternative Bank, verschärfen ihr Abgabenregime dieses Jahr sogar. Ganz allgemein ist in den vergangenen zehn Jahren in diesem Land kaum etwas stärker gestiegen als die Gebühren auf Bankprodukten und -dienstleistungen.

Klar lässt sich einwenden: Das historische Niedrigzinsumfeld ist im Kreditgeschäft – es ist immer noch die Haupteinnahmequelle für die meisten Banken in der Schweiz – bittere Realität, die Margen vor allem auf Hypotheken sind rasiermesserdünn geworden. Nur, die Zahlen zeigen eben auch: Die Schweizer Banken haben seit der Einführung der Negativzinsen 2015 ihren Ertrag trotzdem steigern können und bei sinkenden Kosten unterm Strich den Gewinn ansehnlich ausgebaut. Geschafft haben sie das durch Volumenausweitung, den Vorstoss in neue Geschäfte und eben auch durch einen tieferen Griff ins Portemonnaie der Kundschaft.

Doch was bleibt dieser nun übrig? Es gibt zwar Banken, die auch dank der Kooperation mit neuen Unternehmen aus der Finanztechnologie immer noch einen minimalen Zins zahlen. Das kann aber selbst dem auf grösste Sicherheit bedachten Anleger mit langem Horizont nicht genug sein. Heute, mehr denn je, führt nichts an einer gesunden Aktienquote im Portfolio vorbei. Wenn wie bei vielen Bankkunden heuer auch bei Ihnen ein Brief der Bank ins Haus flattert, der über neue «Guthabengebühren» – ein Euphemismus von PostFinance – informiert, nehmen Sie ihn zum Anlass, über eine Verschiebung der Gewichte im Portfolio nachzudenken.

Leser-Kommentare

Martin Burtschi 04.06.2021 - 13:41

traurig – und dies trifft mehrheitlich die leute mit tiefem einkommen, welche keine alternative haben….

mlehgm 08.06.2021 - 14:36
Es ist wirklich unverständlich wie die SNB unter der Leitung von Herrn Jordan die Bürger mit überhöhten Negativzinsen massiv enteignet. Die Argumentation es handle sich um einen Schutz vor ausländischen Anlegern, ist seit Jahren schon widerlegt, da diese Investoren schon längst ihr Geld im Immobilienmarkt etc. parken und damit die Bürger der Schweiz mit überhöhten Kosten nun von 2 Seiten… Weiterlesen »