Königsberg ist 1944/45 abgebrannt. Doch der Dom ist in den 1990er Jahren rekonstruiert worden – auferstanden aus Ruinen in der halbwegs freien Ära Jelzin. An einer Ecke des Chorbaus steht das Grabmal des grossen deutschen Philosophen Immanuel Kant; Herzog Albrecht, Gründer der Königsberger Universität, hält Wache. Kant legte 1795 sein altersweises Traktat «Zum ewigen Frieden» vor. Dieses empfiehlt sich just jetzt, gerade in Russland, besonders in dessen Exklave Kaliningrad zur Lektüre. Kant schreibt: «Der Friedenszustand unter Menschen, die nebeneinander leben, ist kein Naturzustand, der vielmehr ein Zustand des Krieges ist, d.i. wenngleich nicht immer ein Ausbruch der Feindseligkeiten, doch immerwährende Bedrohung mit denselben. Er muss also gestiftet werden.» Königsberg war von 1758 bis 1763 von russischen Truppen besetzt, während des Siebenjährigen Kriegs. Damals unterrichtete Kant auch zaristische Offiziere. In neuerer Zeit soll sich das Oberhaupt der russischen Orthodoxie, Patriarch Kyrill, auf Kant bezogen haben – auf das dem Menschen innewohnende moralische Gesetz. Das müsste er, als guter Hirte, einem auf gemeingefährliche Abwege geratenen Schäflein predigen. Friedensstiftend.