Märkte / Kunstmarkt

Zum Spielen zu kostbar

Trains Galore, die traditionelle Weihnachtsauktion von Christie’s in der Sammlerfiliale im Londoner Stadtteil South Kensington, bietet in zwei Sitzungen am 18.Dezember mehr als 400 Lose. Keineswegs aufgrund der Höhe ihrer Schätzpreise, aber quantitativ überwiegen in diesem Jahr Produkte der englischen Spielzeugfirma Hornby, die mit rund 280 Lokomotiven, Waggons und Zubehörteilen vertreten ist, darunter auch einigen aus französischer Hornby-Produktion. Die grosse Mehrheit dieser Lose ist mit Schätzpreisen zwischen 200 und 500£ etikettiert. Nur wenige Zugpackungen, Uhrwerk- und Elektrolokomotiven aus der Vorkriegszeit, die Spielzeug-Direktor Hugo Marsh als «sehr gut bis exzellent» erhalten bezeichnet, hat er zwischen 500 und 1500 £ taxiert.
Die vornehme Minderheit im diesjährigen Trains-Galore-Katalog, vor allem durch Modelle der Marken Bassett-Lowke, Bing, Carette, Lemaco oder Märklin vertreten, erreicht dagegen bis zu zehnmal höhere Schätzpreise. Eine 1937 hergestellte Märklin-Zugpackung Spur-00 (Los 378) könnte nach Meinung von Hugo Marsh bis zu 15000£ bringen. Dieser Schnellzug zeigt deutlich die Entwicklung der Kundenansprüche und der Herstellungstechnik. Die vier Waggons sind in der Länge um fast die Hälfte verkürzt, auch ist ihre Detailgestaltung und die der Lokomotive im Vergleich zu heutigen Modellen bescheiden.
Um aber ein Exportmodell für den britischen Markt zu bauen, nahmen sich die Gebrüder Märklin damals nicht etwa ein englisches Modell zum Vorbild. Vielmehr griffen sie sich einen deutschen Schnellzug mit der berühmten 2-C-1-Lokomotive, lackierten sie und die Waggons im Weinrot der LMS und versahen auch noch den Tender der Lok mit den Initialen dieser Bahnverwaltung. Ein unverkennbar britisches Modell stammt hingegen von Bassett-Lowke und stellt die Stromlinien-Dampflok Coronation der LMS von 1939 dar, zum Schätzpreis von 6000 bis 8000£.
Während die Londoner Auktion in der Mehrzahl Eisenbahnen in den Spuren H0 und 0 umfasst, bietet Christie’s zwei Tage später in New York, wohl den Dimensionen des Landes entsprechend, riesige Spur-1- und Spur-G-Modelle an. Zu den Spitzenlosen gehört eine 1996 von Fine Art Models in Kalifornien hergestellte Mallet-Lokomotive der Chesapeake & Ohio Railroad, Achsfolge 2-6-6-6 mit siebenachsigem Tender, zum Schätzpreis von 7000 bis 10000$. Walter Höhnscheidt

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.