Unternehmen / Gesundheit

Zurückhaltend, durchsetzungsstark – kenntnisreich

Jörg Reinhardt kehrt als designierter Verwaltungsratspräsident von Novartis zu seinen Wurzeln zurück. Hier begann seine Karriere vor mehr als drei Jahrzehnten, hier krönt er sie.

Seiner Leidenschaft, der Natur, wird Jörg Reinhardt bald näher sein, zumindest räumlich. Wandern, Radfahren, Zeit mit dem Hund im Freien, nennt der 56-Jährige als Hobbies. Vom deutschen Rheinland zieht es den Noch-Chef der Gesundheitssparte von Bayer (BAYN 55.93 -0.37%) zu Novartis (NOVN 76.01 0.08%) nach Basel. Auf der Generalversammlung des Pharmakonzerns will er sich Ende Februar zur Wahl als Mitglied und designierter Präsident des Verwaltungsrates stellen. Die neue Position wird er, wenn alles nach Plan läuft, im August antreten, wenn sein Vertrag bei Bayer ausläuft.

Reinhardt kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück. Er studierte Pharmazie an der Universität Saarbrücken und ging nach der Promotion vor 32 Jahren zu Sandoz. Dort hatte er verschiedene leitende Funktionen in Forschung und Entwicklung inne. Bei dem Novartis-Vorläufer traf er Mitte der Neunzigerjahre auch auf Daniel Vasella. Zuletzt war Reinhardt unter dem langjährigen Verwaltungsratspräsidenten und Novartis-Chef Vasella als COO zuständig für das Tagesgeschäft. Ihm wurden beste Chancen auf die Nachfolge von Vasella an der Spitze des Konzerns zugesprochen – bis Joseph Jimenez vor drei Jahren überraschend zum CEO gekürt wurde.

Volle Pipeline bei Bayer

Nur kurze Zeit später verliess Reinhardt Novartis und verantwortete seither bei Bayer die Healthcare-Sparte, ein Geschäft mit einem Jahresumsatz von 17 Mrd. €. Mitarbeiter beschreiben ihn als durchsetzungsstark und loben seine Fachkenntnis. Bei Bayer hinterlässt er einen Bereich mit einer vollen Pipeline an Medikamentenkandidaten, darunter einige mögliche Blockbuster.

Ab Sommer wird der gebürtige Saarländer dann wieder mit seinem ehemaligen Rivalen Jimenez zusammenarbeiten. Während der Novartis-CEO als sportliche Kämpfernatur gilt, wird Reinhardt als zurückhaltend beschrieben. Ob er denn statt Jimenez selbst gerne an der Spitze von Novartis stehen würde, fragte «Finanz und Wirtschaft» vor einigen Wochen im Interview. Reinhardt lächelte – und sagte nach kurzer Pause diplomatisch: «Bei Bayer habe ich viel gelernt und fühle mich sehr wohl in diesem Umfeld.» Er erklärte auch, der deutsche Konzern stehe besser da als die Schweizer Rivalin. «Novartis hat momentan stärker mit dem Ablauf von Patenten zu kämpfen – wobei sich schon die nächste Wachstumsphase abzeichnet.» Die wird er bald mitgestalten.

Leser-Kommentare

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Walter Bruno Egger-Hürzeler 23.01.2013 - 17:17

OK. Schön. Wir werden sehen !