Meinungen

Zwei Fragen für Investoren

Aktienanleger profitieren von ausserordentlicher Geld- und Fiskalpolitik. Sie müssen sich aber Gedanken über die Zeit danach machen. Ein Kommentar von US-Korrespondent Martin Lüscher.

«Die Regierung in Washington dürfte während eines Wahljahres der Bevölkerung kaum Unterstützung vorenthalten.»

Aktienanleger müssen derzeit zwei Fragen ­beantworten. Die erste ist einfach, zumindest im Hinblick auf den Marktkonsens. Genügen die geld- und fiskalpolitischen Massnahmen, um den von der Corona­viruspandemie ausgelösten wirtschaftlichen Einbruch zu überbrücken? Der marktbreite Aktienindex S&P 500 (SP500 3349.16 0.64%) bejaht diese Frage klar.

Am Montag hat er gemessen am Stand vom Jahresbeginn ­erstmals im Plus geschlossen. Bezüglich der amerikanischen Zentralbank gibt es kaum Zweifel. Sie wird, wie bereits im März, alles machen, um die Finanzmärkte und die Realwirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Auch die Regierung in Washington dürfte während eines Wahljahres der Bevölkerung kaum Unterstützung vorenthalten.

Die Antwort auf die zweite Frage ist mit grösserer Unsicherheit verbunden. Findet die Konjunktur rasch zu alter Stärke zurück? Gemessen an den ­weiterhin optimistischen Gewinn­prognosen für 2021 und den hohen Bewertungsniveaus sind die Investoren auch diesbezüglich optimistisch. Die Bejahung der zweiten Frage ist aber weniger überzeugend und mit grossem Risiko verknüpft.

Fällt die Entwicklung der Unternehmensgewinne gegenüber den ­Erwartungen nämlich ab, dann droht an den Märkten eine rasche Korrektur. Bis das Urteil eintrifft, dauert es jedoch noch mehrere Quartale, denn die amerikanische Wirtschaft befindet sich weiter im Krisenmodus. ­Immerhin stimmt die Entwicklung diverser Indikatoren zuversichtlich und deutet darauf hin, dass die ­Rettungsmassnahmen aus Washington funktionieren. So gibt es trotz ­rekordhoher Arbeitslosenquote keinen ­Anstieg von Zahlungsausfällen.

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