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Zwei negative Konjunkturimpulse in den USA

In Amerika verdienen Unternehmen weniger, sie investieren auch weniger.

André Kühnlenz

Die Rezessionssorgen in den Vereinigten Staaten kommen nicht von ungefähr. Bereits zu Beginn des Jahres sendete der private Kapitalaufbau in den USA ein Alarmsignal: Nach der Logik der drei typischen Konjunkturimpulse, die im Zentrum dieses Blogs stehen, hatte sich bereits gezeigt, dass die Investitionen in zusätzlichen Kapitalstock (Maschinen, Anlagen, Gebäude, Patente usw.) stagniert sind. Mittlerweile sinken die privaten Nettoinvestitionen so stark, dass ihr Anteil am Nettoeinkommen in den USA sinkt. Das heisst: Der Kapitalimpuls ist negativ. Genau wie der Profitimpuls, wie wir gleich sehen werden.

Nun kommt noch etwas hinzu, was in den Sommermonaten  untergegangen ist. Die Statistiker des Bureau of Economic Analysis (BEA) haben die Gewinndaten seit 2014 erheblich revidiert, sodass ein komplett neues Konjunkturbild entsteht. In meiner Berechnungsweise sind die operativen Gewinne grösser als die vom BEA veröffentlichten (die wir in der Zeitung analysiert haben): Demnach sinkt die Gewinnquote gemessen am Bruttoinlandprodukt bereits länger als in den Jahren vor dem Platzen der New-Economy-Blase – wie auch in diesem Kommentar angemerkt.

Das BEA zieht übrigens bereits Produktabgaben und anderes ab – dafür kommt meine Berechnung des Operating-Profits näher an den Vorsteuergewinn Ebit des Standorts USA heran. Klar ist so oder so: Die operativen Gewinnmargen wachsen seit vier bis fünf Jahren nicht mehr (= die grüne Kurve ist negativ). Das hat aber nicht verhindert, dass die Investitionsquote vor allem durch verstärkte Ausgaben der Energiebranche angetrieben ab 2017 wieder nach oben drehte bevor der Arbeitsmarkt in den USA kippen konnte und damit die gesamte Volkswirtschaft in die Rezession gestürzt hätte.

Klar ist nun auch, dass mit dem negativen Kapital- und Profitimpuls das Rezessionsrisiko steigt. Wenn die Investitionen langsamer als das Gesamteinkommen eines Landes wachsen bzw. wenn sie sinken, kann das natürlich dazu beitragen, dass verstärkt Cash in Staatsanleihen geparkt wird, was wiederum die Kurse der Obligationen steigen lässt. Dies dürfte allerdings nicht allein erklären, dass die Zinskurve so invertiert dass zehnjährige Staatspapiere weniger Rendite abwerfen als dreimonatige. Was seit einigen Wochen der Fall ist.

Die beiden jüngsten Aufschwünge begannen mit einer Erholung der Gewinnmargen, was wir in an Gewinnquote ablesen können. Vermutlich werden erst Kosteneinsparungen beim Personal auch diesmal erst die Wende bringen. Der Blick bleibt damit auf den Arbeitsmarkt gerichtet, hier wird wie immer die Frage aufkommen, ob es zur Rezession kommt oder nicht.

Hinweis: Die Beiträge in diesem Blog erscheinen in Kooperation mit dem Online-Magazin Makronom. Worum es hier eigentlich geht, habe ich im ersten Beitrag beschrieben: Konjunkturanalyse geht jeden an – oder warum wir einen Taktikblog der Konjunkturanalyse brauchen. Zur State-of-Swing-Taktiktafel der Konjunkturanalyse geht es hier entlang auf die Makronom-Seite.

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