Die Briten haben Cricket wahrscheinlich einzig zum Zweck erfunden, die Kontinentaleuropäer zu foppen. Das House of Commons scheint eine ähnliche Machenschaft zu sein. Die Debatten im altehrwürdigen Parlament sind saftige Bühnenstücke nach kauzigen Regeln und aus der Zeit gefallener Szenerie; Wort und Widerwort, lautstarker Frontalkampf – statt halbwegs gesittetes Nebeneinander, wie in den sonst wo üblichen Auditorien. Auf den grünen Bänken (das königliche Rot ist den Lords im Oberhaus vorbehalten) sitzt zur Rechten des Sprechers die Regierung, links die Opposition. Die roten Linien auf dem Teppich dürfen während der Debatte nicht übertreten werden. Ihr Abstand: zwei Schwertlängen (13 Fuss oder 3,96 Meter) – denn kein hitziges Rede- soll in ein blutiges Ehrenduell ausarten. Ohne das königliche Zepter auf dem Tisch kann das Parlament nicht tagen; «The Mace» symbolisiert die Anwesenheit des Monarchen. Der hat im House keinen Sitz, darf dort nicht mal stehen wie 223 der 650 Abgeordneten, denn die treppenartig angeordneten Bankreihen bieten nur 427 Honourable Members Platz. Was «Custom and Practice» betrifft, war der Brexit längst vollzogen, bevor es die EU überhaupt gab. (Bild: Press Association Images House of commons Keystone)