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Zweifel an der Online-Kontoeröffnung

Voraussichtlich im März werden Kunden in der Schweiz via Internet ein Bankkonto eröffnen können. Doch bereits jetzt ist fraglich, ob der Prozess der Online-Identifizierung wirklich benutzerfreundlich sein wird.

Wer als potenzieller Bankkunde hierzulande ein Konto eröffnen will, muss bald nicht mehr eine Filiale besuchen oder den Postweg bemühen. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) will bereits im März die Online-Identifikation ermöglichen und es Finanzdienstleistern und Nutzern erlauben, via Internet eine Geschäftsbeziehung einzugehen.

Die Vernehmlassung des betreffenden Finma-Rundschreibens endet am kommenden Montag. Doch schon zeichnet sich Kritik aus der Bank- und Finanztechnologiebranche ab. Das Rundschreiben gehe zwar in die richtige Richtung, hinterlasse aber einige offene Fragen. Der Prozess der Online-Identifikation könnte am Ende für den Kunden zu umständlich geraten.

So kritisiert beispielsweise die Bankiervereinigung am Freitag die vorgeschlagenen Finma-Lösungen. Sie seien «sehr aufwendig und gehen teils über gebräuchliche Standards hinaus», schreibt der Verband in seiner Mitteilung. Bei der Identifikation von Kunden würden höhere Standards verlangt, als die Geldwäschereiverordnung oder die Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken vorsehen. «Dies muss im Sinne der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unbedingt angepasst werden.»

Vages Rundschreiben

«Schauen Sie sich Grossbritannien an», sagt Fouad Bajjali, Chef der IG Bank. Die Handelsplattform ist der Schweizer Ableger der in London kotierten IG Group (IGGl 6.81 -1.73%), eines Online-Anbieters von Derivaten. Auf der Insel könne ein potenzieller Kunde «in fünf bis zehn Minuten» online ein Konto eröffnen. «In der Schweiz ist das unvorstellbar», sagt Bajjali, auch wenn das Rundschreiben der Finma zur Online-Identifikation umgesetzt würde.

Um in Grossbritannien ein Konto zu eröffnen, müsse der Kunde schlicht eine Kopie seines Ausweises hochladen. Dieser wird dann – mithilfe verschiedener Software der IG Group – sekundenschnell auf Echtheit geprüft. «Für den Kunden ist das extrem einfach», sagt Bajjali.

In Zukunft soll gemäss Finma-Rundschreiben zwar auch in der Schweiz die Online-Identifikation via Ausweiskopie möglich sein. Zusätzlich müsse aber eine Videokonferenz zwischen Bankangestelltem und potenziellem Kunden stattfinden.

Und bei diesem Punkt bleibt das Finma-Rundschreiben vage. Welche Software muss der Finanzdienstleister nun genau nutzen, um den Kunden zu identifizieren? Reicht für die Videokonferenz ein einfacher Chat-Dienst wie Skype, oder müssen es aufwendigere Lösungen sein? «Es ist wichtig zu verstehen, welche Systeme wir konkret brauchen», sagt Bajjali.

Finma hält sich bedeckt

Will der Kunde zum Beispiel keine Videokonferenz oder ist sie nicht möglich, muss die Ausweiskopie «von einem Schweizer Anbieter von Zertifizierungsdiensten» mit «qualifizierter elektronischer Signatur» verifiziert werden, schreibt die Finma. Was dies genau bedeute, müsse die Behörde noch erklären, so Bajjali. Zum jetzigen Zeitpunkt macht die Finma jedoch keine Angaben zum laufenden Verfahren, wie Sprecher Vinzenz Mathys auf Anfrage mitteilt.

In Deutschland ist die Video-Identifikation seit vergangenem Jahr möglich und «scheint dort gut zu funktionieren», sagt Bajjali. Wenn man Europa betrachte, sei der Prozess in Deutschland für den Kunden trotzdem noch der aufwendigste. «Wir müssen nichts neu erfinden», sagt Bajjali, «in Grossbritannien funktioniert eine einfache Art der Online-Identifikation bereits.»

Bei einer ähnlichen Umsetzung in der Schweiz geht Bajjali von einer Steigerung der Kontoeröffnungen im zweistelligen Prozentbereich aus.