Meinungen

Zweite Welle

Die Kreditrisiken im Schweizer Geschäft könnten für die Banken 2021 viel brisanter werden als 2020. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Die Pandemie war für die Schweizer Banken unter dem Strich hilfreich – bis jetzt.»

Am Dienstag geschah Ungewöhnliches: Der Kurs der UBS-Aktie stieg nach Bekanntgabe von Quartalszahlen.  In den letzten Jahren war er meist gefallen. In der Tat schlägt sich die Bank in der Pandemie bisher sehr gut (Lesen Sie hier mehr.»). Die Eigenkapitalrendite ist endlich zweistellig, dank reger Kundenaktivität in der Vermögensverwaltung, eines lebhaften Handelsgeschäfts in der Investmentbank und geringer Wertberichtigungen für Kreditrisiken.

Die Schweizer Grossbanken sind Krisengewinner. Auch die Credit Suisse (CSGN 11.72 +0.51%) dürfte für das dritte Quartal ein gutes Resultat liefern. Dennoch notieren UBS (UBSG 13.16 +0.19%) 7% und Credit Suisse fast 24% unter Jahresbeginn. Dürfen Investoren hoffen, dass die Aktien der beiden ihren Rückstand zum Gesamtmarkt aufholen? Schliesslich wollen die Institute ihre aufgeschobenen Dividenden auszahlen – jetzt, da die zweite Welle der Pandemie anrollt.

Höhere Dividendenrenditen werden die Bankaktien stützen. Kursexplosionen sind aber keine zu erwarten. Die Pandemie war für die Banken unter dem Strich hilfreich – bis jetzt. Einerseits stützte das Krisenmanagement in der Schweiz (vom Bund garantierte Covid-Kredite) die Wirtschaft und verhinderte Kreditrisiken. Niemand weiss aber, wie hoch die Kosten der zweiten Welle sein werden und wer sie tragen muss. Eine zweite Auflage des Covid-Hilfsprogramms kommt kaum infrage, womit die Frage der Kreditrisiken im Schweizer Geschäft der Banken 2021 viel brisanter als 2020 werden könnte.

Andererseits förderte die Geldschwemme der internationalen Notenbanken die Volatilität an den Märkten und löste hohe Kundenaktivitäten in allen Geschäftsbereichen aus. Wie lange diese Party weitergeht, weiss keiner. Danach kommt häufig ein Kater.

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