Meinungen

Zyklische Wette

Die Schwellenländer locken mit einer Renditeprämie – sie sind aber riskant. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Eine Konjunkturwette sollte man nicht mit einem breiten Aktienindex spielen.»

Die teuren Märkte gewinnen, die billigen verlieren. Das hat Anlegern in Aktien der Schwellenmärkte seit Jahren einen unterdurchschnittlichen Kurserfolg eingebracht. Mit einer Investition etwa in US-Titel wäre man viel besser dran gewesen. Es gibt aber berechtigte Hoffnung, dass nun eine Phase der Outperformance folgt. Einfach gesagt: Ein Aufleben der Weltkonjunktur sollte den Emerging Markets besonders viel Auftrieb geben. Weil sie insgesamt relativ günstig bewertet sind, locken sie mit einer Renditeprämie.

Aber es gibt Risiken. So sind viele Schwellenländer Rohstoffexporteure. Die Preise der Rohstoffe bewegen sich zwar oft mit dem Konjunkturverlauf, können aber auch eine Eigendynamik entwickeln. Ein Preisboom könnte zu einer Überproduktion führen, die Preise würden in der Folge trotz guter Konjunktur zusammenkrachen. Zyklische und exportorientierte Industrietitel sind die verlässlichere Wahl.

Ausserdem bleibt das Risiko, dass die Coronapandemie die Märkte wieder verunsichert. Brasilien weist eine hohe Inzidenz auf, in Indien und Thailand steigt sie schnell. Folgen auf höhere Fallzahlen wieder strikte Einschränkungen der ökonomischen Aktivität, könnte diesen Ländern eine Beteiligung an der weltwirtschaftlichen Aufholbewegung verwehrt bleiben.

Eine wichtige Lehre der vergangenen Wochen ist, dass man eine Konjunkturwette nicht mit einem breiten Schwellenländer-Aktienindex spielen sollte. Dort haben die weniger konjunkturabhängigen asiatischen Technologietitel solch ein starkes Gewicht, dass die Zykliker wie Finanz-, Industrie- und Rohstoffpapiere kaum noch eine Rolle spielen.