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Fintech

Ein Blockchain-Start-up auf dem Weg zum Mars

Valentin Ade
Das Zuger Jungunternehmen Tezos bricht einen Finanzierungsweltrekord. Jetzt greifen seine Gründer nach staatlicher Macht.

Ein Blockchain-Start-up hat vor knapp einer Woche einen Crowdfunding-Weltrekord gebrochen. Tezos, eine Stiftung mit Sitz in Zug, hat innerhalb einer Woche über 220 Mio. $ eingenommen. Dies über ein sogenanntes Initial Coin Offering (ICO).

Beim ICO gibt ein Blockchain-Unternehmen eine eigene digitale Währung heraus und nimmt dafür bestehende digitale Währungen wie Bitcoin oder Ether oder eine klassische wie Dollar ein (das ICO wird hier erklärt).

ICO schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, einige Start-ups bedienen sich dabei des Zuger Stiftungsmodells, das es ihnen erlaubt, grosse Geldbeträge von anonymen Spendern entgegenzunehmen (ebenfalls mehr dazu hier).

Auf dem Weg zum Mars

Doch zurück zum Weltrekordler Tezos. Hinter Tezos steht das Ehepaar Kathleen und Arthur Breitman, Gründer des Unternehmens Dynamic Ledger Solutions (DLS). Sie haben ihren Hintergrund in der Finanzbranche und der Beratungsindustrie. Durch das ICO sind die Breitmans Millionäre geworden.

Konsultiert man die Unterlagen zum ICO, soll die Tezos-Stiftung nämlich 8,5% der aufgenommenen Mittel dafür verwenden, DLS zu kaufen. Das sind aktuell rund 19 Mio. $.

Doch Tezos hat noch weit höhere Ziele, als ihre Gründer reich zu machen. Tezos nennt sie ihre «Mars-Flüge»: die Ziele, die verfolgt werden sollen, wenn die Stiftung beim ICO richtig absahnen sollte – was sie ja getan hat.

Zum einen soll Tezos’ Produkt weiterentwickelt werden. Tezos verspricht eine neue Art der Blockchain, die vor allem punkto Verwaltung und Weiterentwicklung den bisherigen Netzwerken überlegen sein soll (die Entwickler versuchen es hier so einfach wie möglich zu erklären).

Die Blockchain hat ein grosses Potenzial, alle Prozesse, bei denen sich mehrere Parteien über Dinge einig werden müssen, zu vereinfachen, zu beschleunigen und zu verbilligen (mehr dazu lesen Sie hier).

Verhandlungen mit «kleinem Nationalstaat»

Die weiteren Mars-Flüge haben es aber in sich. So sollen neben der Finanzierung eines führenden Instituts für Computerwissenschaft mit Stellen für Professoren und Doktoranden Print- und TV-Medien gekauft werden, um den Nutzen der Blockchain «in der Gesellschaft zu fördern und zu verteidigen».

Des Weiteren will Tezos mit einem «kleinen Nationalstaat» verhandeln, damit er die digitale Tezos-Währung als offizielle Landeswährung anerkennt, «was Tezos sofort bevorzugte Behandlung punkto Finanzregulierung geben wird».

Doch dem nicht genug. Wie jeder gute Superschurke seit Lex Luthor will Tezos vor allem eines: Land! Mit dem kleinen Nationalstaat soll ebenfalls verhandelt werden, «um Staatsland zu kaufen oder zu pachten».

Da Tezos bereits in Zug sitzt, wird vielleicht der Bundesrat bald eine Einladung zu Verhandlungen bekommen.

Banken holen bei Fintech-Investitionen auf

Valentin Ade
Während in den USA weniger Wagniskapital in die Unternehmen der Finanztechnologie gesteckt wird, legt Europa zu. Auch eine Schweizer Grossbank sticht dabei hervor.

Fintech-Unternehmen in den USA, Europa und Asien haben im ersten Quartal 2017 insgesamt 2,7 Mrd. $ Wagniskapital in 226 Investitionsrunden eingesammelt. Das hat eine Auswertung des Datenanalysediensts CB Insight ergeben.

Eine beeindruckende Summe, doch die Investitionen schwächen sich ab. Zieht das Volumen nicht noch an, droht laut CB für 2017 rund 18% weniger in Fintechs investiert zu werden. Ein weiterer Rückgang nach dem Rekordjahr 2015.

Die Investoren halten sich dabei vor allem im Wagniskapitalland Nummer eins, in den USA, zurück. Auch wenn dort global gesehen immer noch am meisten Geld in die neuen Ideen der Finanztechnologie gesteckt wird.

Europa und Asien ziehen hingegen nach abnehmenden bzw. stagnierenden Quartalen wieder an. Vor allem die Investitionen in Start-ups der frühen Phase haben zugenommen. Geht es in gleichem Tempo weiter, könnte sich 2017 nach Ansicht von CB in Europa die Anzahl Deals verdoppeln.

Die aktivsten Investoren im Fintech-Feld sind die professionellen Wagniskapitalgesellschaften. Die ersten drei Plätze in den vergangenen fünf Monaten belegen die Kapitalgeber 500 Startups, New Enterprise Associations und Index Ventures.

Erst auf den hinteren Rängen folgen die ersten Banken. Sie haben in den vergangenen Quartalen allerdings zugelegt und waren 2017 weltweit bisher bei einem Drittel aller Deals dabei, im Vergleich zu 22% im ersten Quartal 2016.

Am aktivsten ist dabei die spanische Banco Santander (SAN 5.72 1.15%) mit ihrem Venture-Arm. In neun Fintech-Unternehmen hat sie in den vergangenen fünf Quartalen investiert, mit jeweils acht Deals folgen die US-Grossbanken Goldman Sachs (GS 222.3 -0.26%) und Citigroup (C 66.36 -0.51%).

UBS (UBSG 17.01 0.35%) hat in dieser Zeit ihr Geld in zwei Fintechs gesteckt. Seit 2012 rangiert sie punkto Einzelinvestments allerdings auf Platz zwei in Europa. Credit Suisse (CSGN 14.5 0.42%) landet auf Platz sechs.

Mit den zehn grössten US-Banken können sich die Europäer allerdings nicht messen, da haben allein die grössten drei in den vergangenen Jahren schon mehr gerissen.

Interessant dabei: Die europäischen Grossbanken investieren oft in dieselben Unternehmen. So in das Blockchain-Konsortium R3, die Kommunikations- und Workflow-Plattform Symphony sowie AcadiaSoft, einen Anbieter von Lösungen zum Management von Kreditsicherheiten. Seit 2012 sind 70% der Investitionen europäischer Banken in US-Fintech-Unternehmen geflossen.

22 dieser Fintech-Unternehmen listet CB zurzeit als sogenannte Einhörner (engl.: Unicorns). Damit gemeint sind Unternehmen mit einem Wert von über 1 Mrd. $. Die 22 bringen es zusammen auf einen Wert von 77 Mrd. $. Schweizer Start-ups finden sich darunter nicht, obschon sich manche als Einhorn bezeichnen.

Die dargestellten Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Über das Ausmass der Investitionen in Fintech kommen verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dies, weil die Autoren Daten unterschiedlich interpretieren: Welche Start-ups zählen als Fintech? Welche Investitionen zählen als Wagniskapital? Wie werden Deals behandelt, bei denen Kapital über mehrere Quartale ausgezahlt wird oder an Meilensteine geknüpft ist? Ganz nach dem Motto: Traue keiner Studie, deren Datengrundlage du nicht selbst gefiltert hast.

Einen dreistelligen Millionenbetrag haben Schweizer Fintech-Start-ups 2016 anziehen können. Als Standort schwingt Zürich obenaus.

Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz 168,05 Mio. Fr. in die Start-ups der Finanztechnologie investiert. Dies geht aus einer Untersuchung des Swisscom-Think-Tank E-Foresight und der Hochschule Luzern hervor.

Den Grossteil des Betrags – 107 Mio. Fr. – warf der Versicherer Helvetia (HELN 536 0.19%) für die Übernahme der Online-Plattform Moneypark auf.

Der kleinere Teil – 61,05 Mio. Fr. – floss in Form von Wagniskapital (Venture Capital) in die Fintech-Jungunternehmen. Auf diese Weise wurde im vergangenen Jahr in 37 Investitionsrunden Geld in Start-ups gesteckt. «Für 2017 kann erwartet werden, dass die Investitionen weiter ansteigen», schreiben die Experten.

International stellt die Schweiz damit nur einen Bruchteil des Gesamtvolumens dar. Weltweit sind vergangenes Jahr rund 25 Mrd. $ in den Fintech-Bereich geflossen. Global stechen dabei – kaum überraschend – die USA hervor.

In Europa hat diesbezüglich das Vereinigte Königreich (UK) die Nase vorn. Betrachtet man hingegen die Investitionsrunden, liegt die Schweiz vor Deutschland und den skandinavischen Ländern auf Platz zwei.

Vor allem der Versicherungsbereich wurde im vergangenen Jahr von den Kapitalgebern bedacht. Mit fünf Investitionsrunden wurden hier zwar nicht die meistens Deals abgeschlossen, dafür aber die potentesten. Zu erwähnen ist dabei beispielsweise die Versicherung-App FinanceFox, die zu Beginn des Jahres 5,5 Mio. $ eingesammelt hat.

Die mittlere Investitionsrunde im Versicherungsbereich beträgt 7,5 Mio. Fr. Der Durchschnitt aller Bereiche liegt bei 1,7 Mio. Fr. «Daraus lässt sich ableiten, dass den Start-ups aus dem Bereich Insurance ein hohes Wachstumspotenzial zugesprochen wird», schreiben die Autoren.

Punkto Anzahl Deals haben hingegen Crowdfunding-Start-ups die Nase vorn. Das spreche für viele Jungunternehmen in einer frühen Phase in diesem Bereich und für eine zunehmende Aktivität in der Zukunft.

Private Investoren bilden heute noch die Mehrheit unter den Kapitalgebern, wenn es um die Anzahl der Deals geht. Das meiste Kapital kommt allerdings von den professionellen Venture-Capital-Firmen.

Unternehmen würden sich heute bisher oft nur als Minderheitsaktionäre an Start-ups beteiligen. Die Experten glauben allerdings, dass die Rolle der Grossen als Käufer oder Finanzierer der Kleinen in Zukunft zunehmen werde.

Finanzinstituten raten die Experten von E-Foresight, Beteiligungen und Übernahmen von Start-ups zu prüfen, um sich anorganisches Wachstum und Zugang zu Innovationen zu sichern.

Bei der Standortfrage hat in der Schweiz Zürich die Nase vorn. Nicht nur sitzen hier die meisten Fintech-Start-ups, auch das meiste Kapital fliesst in die Limmatstadt.

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Pensionskassen entdecken Crowdfunding

Andreas Dietrich
Heute investieren Anleger erst zaghaft über das Internet in junge Wachstumsunternehmen. Das sogenannte Crowdinvesting könnte mit der Plattform Investiere.ch hierzulande nun einen Schub erhalten.

Im Bereich Crowdinvesting für Unternehmen wurden im Jahr 2016 Start-ups mit 6,8 Mio. Fr. finanziert (–4% gegenüber 7,1 Mio. Fr. im Jahr 2015), wobei sich die Investoren an insgesamt 13 Start-ups beteiligten. Die derzeit wichtigste Plattform in der Schweiz ist dabei Investiere.ch, eine Plattform für Venture-Capital-Finanzierungen mit 15 Mitarbeitenden.

Investiere hat in den vergangenen Jahren einige interessante Anpassungen an ihrem Geschäftsmodell vorgenommen und kann seit kurzem mit der Nest und der Schweizerischen Post auf zwei prominente Kooperationspartner zählen.

Der Einstieg der Sammelstiftung Nest und die Kooperation mit der Schweizerischen Post sind auch wichtige und interessante Zeichen an den Crowdfunding-Markt, der sich zunehmend professionalisiert.

Crowdinvesting für Unternehmen bietet sich als Finanzierungsform vor allem für Unternehmen in einem frühen Entwicklungsstadium an (sog. Start-ups). Je nach Plattform bietet Crowdinvesting auch Investoren mit kleineren Beträgen die Möglichkeit, ein Jungunternehmen in der Wachstumsphase zu unterstützen.

Als Gegenleistung erhalten diese in der Regel Anteile am Unternehmen und/oder partizipieren an dessen Erfolg. Im Bereich Crowdinvesting für Unternehmen wurden im Jahr 2016 Start-ups mit 6,8 Mio. Fr. finanziert (7,1 Mio. Fr. im 2015, –4%).

Der gesamte Venture-Capital-Markt in der Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt.

Abbildung 1: Entwicklung Venture-Capital-Markt Schweiz 2012–2016 (Quelle: Swiss Venture Capital Report 2017)

Wie in Abbildung 1 zu sehen, lag das entsprechende Volumen im Jahr 2014 bei rund 450 Mio. Fr., während im Jahr 2016 bereits über 900 Mio. Fr. finanziert wurden (Quelle: Swiss Venture Capital Report 2017). Insofern hat sich der Marktanteil der Crowdfunding-Plattformen im Verhältnis zum Gesamtvolumen im Bereich Venture Capital in den vergangenen fünf Jahren auf unter 0,1 % reduziert.

Das Geschäftsmodell von Investiere

Im letzten Jahr wurde das Crowdinvesting-Volumen in der Schweiz vor allem über die Plattform von Investiere abgewickelt. Diese steht lediglich qualifizierten Anlegern mit Mindestinvestitionen von in der Regel 10’000 Fr. offen.

Damit unterscheidet sich Investiere vom Geschäftsmodell anderer Crowdinvesting-Plattformen wie zum Beispiel c-crowd oder Raizers, bei denen der Zugang für die «Crowd» nicht eingeschränkt ist.

Insofern handelt es sich bei Investiere nicht um eine «typische» Crowdinvesting-Plattform, da der Zugang nur einer «qualifizierten Crowd» offensteht. Investiere hat sich in der Vergangenheit in erster Linie auf die zweite und dritte Finanzierungsrunde («early stage») fokussiert und dabei durchschnittlich eine halbe Million Franken vermittelt.

In einem nächsten Schritt möchte sich die Unternehmung nun auch in dem Bereich von 2 bis 10 Mio. Fr. positionieren (also dritte bis fünfte Finanzierungrunde). In der Schweiz gab es gemäss dem Swiss Venture Capital Report im Jahr 2016 29 Finanzierungsrunden in dieser Grössenordnung (von total 151 Finanzierungsrunden).

Neben der Absicht, auch bei grösseren Finanzierungsrunden mitzuwirken, hat Investiere die folgenden weiteren Anpassungen im Geschäftsmodel vorgenommen:

  1. Zu viele Kleinaktionäre und Co-Investoren sind für eine junge Firma oftmals nicht wünschenswert. Daher werden Investoren mit einer Kapitalbeteiligung von weniger als 50’000 Fr. über einen Treuhänder vertreten. Mit der treuhänderischen Funktion inklusive der Wahrnehmung der Stimmrechte wird dabei Investiere selbst mandatiert. Es ist aber auch den «Kleinaktionären» möglich, bei einer allfälligen nächsten Finanzierungsrunde wieder mitzumachen. Bis anhin haben jeweils ca. 15 der durchschnittlich 20 Investoren einen Betrag von weniger als  50’000 Fr. in die einzelnen Unternehmen investiert.
  2. Gebühren fallen nur noch bei den Investoren an (prozentuale Transaktionsgebühr beim Investment und 15% auf dem Profit bei einem erfolgreichen Exit). Early-Stage-Firmen selbst müssen für die Vermittlung nicht mehr bezahlen.
  3. Mit Nest konnte eine erste Pensionskasse als Co-Investor gewonnen werden (siehe auch weiter unten). Dank dem Einstieg von Nest sind künftig möglicherweise auch Finanzierungen in der Grössenordnung von  1 bis 5 Mio. Fr. möglich (bisher: 500‘000 Fr. pro Finanzierung).

Die bisher 38 via Investiere finanzierten Start-ups hatten noch keine Exits. Die Firma ist aber auch erst seit sieben Jahren aktiv. Vier der 38 Unternehmen mussten bisher liquidiert werden.

Erste Pensionskasse als Investor für den Crowdfunding-Markt

Bemerkenswert ist aus meiner Sicht insbesondere, dass die Sammelstiftung Nest, die aktuell 20‘000 Arbeitnehmer in knapp 3200 Betrieben versichert und über ein Anlagevermögen von 2,3 Mrd. Fr. verfügt, mit Investiere eine Kooperation eingegangen ist und sich dadurch direkt bei den Jungfirmen engagieren wird.

Nest hat dabei sozusagen eine dreifache «Absicherung», welches ihr Engagement interessant macht:

  1. Das erfahrene Team von Investiere beurteilt das entsprechende Unternehmen als interessant und schlägt es in ihrer Community als Investition vor.
  2. Eine weitere Schlüsselrolle nehmen die auf Investiere zusammengeschlossenen Business Angels ein. Ihr Engagement ist die Voraussetzung für eine Co-Investition von Nest und «bestätigt» das Potenzial des Start-ups.
  3. Da Investiere den Finanzierungsbedarf innerhalb einer Runde nie selber zu 100% deckt, gibt es auch ausserhalb der Investiere-Community professionelle Co-Investoren, welche vom Modell der entsprechenden Unternehmung überzeugt sind.

Im laufenden Jahr wird Nest voraussichtlich einen einstelligen Millionenbetrag für rund zehn Engagements investieren. Die Pensionskasse wird dabei grundsätzlich bei allen Finanzierungsvorhaben von Investiere mitmachen und das Volumen der Privatinvestoren jeweils verdoppeln. Das Team von Investiere kümmert sich neben dem Screening auch um die Dokumentation und das Reporting bzw. Monitoring der Investitionen.

Fazit

Insgesamt ist es etwas erstaunlich und auch enttäuschend, dass sich das Modell Crowdinvesting für Start-ups in der Schweiz noch nicht so erfolgreich entwickelt hat und in den vergangenen drei Jahren auf sehr tiefem Niveau sogar Marktanteile gegenüber dem gesamten Venture-Capital-Markt verloren hat.

Im Vergleich zu anderen Crowdfunding-Bereichen konnte Business Crowdinvesting seit dem Jahr 2013 nur tiefe Wachstumsraten vorweisen. Möglicherweise kennen junge Firmen diese Finanzierungsform noch zu wenig oder sie möchten ihr Geschäftsmodell nicht über diesen Kanal offenlegen.

Des Weiteren kann es auch sein, dass die jungen Firmen ihr Kapital aus privaten Quellen oder von Business Angels beziehen und dadurch gar keinen Bedarf an einer Finanzierung über Crowdfunding aufweisen.

Ebenso könnte es sein, dass in der Schweiz – im Gegensatz zu z.B. Deutschland – weniger für Crowdinvesting interessante B2C-Modelle existieren, da der hiesige Markt zu klein ist. Auch gilt zu beachten, dass gewisse Anträge von Start-ups gerade von Investiere auch abgelehnt werden.

Es gibt aber auch zahlreiche und gute Gründe, wieso es für Unternehmen sinnvoll und spannend sein könnte, über Crowdfunding Eigenkapital aufzunehmen. Dazu gehört auch, dass vermehrt institutionelle Anleger auf diese Investitionsmöglichkeiten aufmerksam werden und somit künftig auch grössere Transaktionen möglich werden.

Das Modell von Investiere mit der «qualifizierten Crowd» ist interessant und hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend von einem Crowdinvesting-Modell im engeren Sinne entfernt. So geht das Team von Investiere beispielsweise auch proaktiv auf ihre Crowd zu, wenn sie das Gefühl hat, dass eine neue Finanzierungsmöglichkeit bestehen könnte.

Mit der Zürcher Kantonalbank als Aktionärin, der Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post und der Kooperation mit der Sammelstiftung Nest hat sich Investiere zudem gut positioniert.

Für das Jahr 2017 erwarte ich entsprechend vor allem auch dank Nest und die sich dadurch ergebenden Möglichkeiten, grössere Finanzierungsrunden zu stemmen, dass sich das Volumen bei Investiere deutlich erhöhen, möglicherweise sogar verdoppeln wird.

Die Schwierigkeit könnte künftig eher darin liegen, spannende Wachstumsfirmen zu finden, als die Investoren für diese guten Business Cases zu gewinnen.

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Der Bundesrat will jungen Unternehmen der Finanztechnologie den Markteintritt erleichtern. Das Gesetzesvorhaben stösst nicht bei allen auf Begeisterung.

Die Vernehmlassung für die neue Fintech-Gesetzgebung ist beendet. Bis Montag konnten Stellungnahmen zu den geplanten Massnahmen des Bundesrats abgegeben werden. «Der Bundesrat wird sich vor den Sommerferien mit dem Thema Fintech befassen», sagt Anne Césard, Sprecherin im Finanzdepartement, auf Anfrage.

Dann will die Regierung den Vernehmlassungsbericht veröffentlichen und entscheiden, ob sie die Änderungen der Bankenverordnung direkt umsetzen will. Dies betrifft beispielsweise die Einführung eines bewilligungsfreien Innovationsraums (Sandkasten) für Jungunternehmen.

Während diese Massnahmen auf dem Verordnungsweg relativ rasch umgesetzt werden können, muss für die dritte Massnahme, die sogenannte Banklizenz light, das Parlament das Bankengesetz ändern.

Darum könnte der Bundesrat laut Césard hier auf eine separate Botschaft verzichten. «Das identische Anliegen kann mit Fidleg/Finig im Parlament schneller umgesetzt werden», sagt sie. Das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) kommen in der Herbstsession ins Parlament.

Neue vs. alte Welt

Dass der Bundesrat beim Thema Fintech aufs Tempo drückt, schmeckt nicht jedem. «Somit scheinen die Stellungnahmen der Vernehmlassungsadressaten zu spät zu kommen, um noch Einfluss auf Änderungen des Bankengesetzes zu nehmen», kritisiert der Verband Schweizerischer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute (VSKF) in seiner Stellungnahme.

Grundsätzlich lassen sich nach der Vernehmlassung zwei Lager ausmachen. Die Meinungen gehen zwischen der neuen und der alten Banking-Welt auseinander.

Auf der einen Seite stehen die jungen Wilden in Form der Fintech-Start-ups und ihrer Verbände. Ihnen greift die Vorlage zu kurz. Sie fordern «weitere Massnahmen zur Förderung innovativer Geschäftsmodelle», wie der Verband Swiss Finance Startups (SFS (SFSN 114.5 2.78%)) schreibt.

Doch zunächst: Was schlägt der Bundesrat konkret vor? Seine Fintech-Regulierung besteht aus drei Säulen.

Die erste Säule (links) betrifft vor allem Crowdfunding-Plattformen. Sie hatten bisher das Problem, dass sie eine Banklizenz brauchten, wenn sie Einlagen von mehr als zwanzig Kunden über sieben Tage lang auf einem Abwicklungskonto verwahren wollten.

Neu soll eine Frist von sechzig Tagen für Abwicklungskonten gelten. Zudem soll die 20er-Regel stark aufgeweicht werden. Neu dürfen unbeschränkt viele Publikumseinlagen bis zu einem Gesamtwert von 1 Mio. Fr. entgegengenommen werden.

Der Bundesrat schafft damit einen bewilligungsfreie Raum für Jungunternehmen, einen sogenannten Sandkasten (mittlere Säule der Grafik), in dem die Unternehmen nicht von der Finma beaufsichtigt werden.

Wächst ein Fintech-Unternehmen aus dem Sandkastens hinaus, soll es neu eine spezielle Fintech-Lizenz (Säule rechts), auch Banklizenz light genannt, beantragen können. Dazu muss es sich auf die reine Entgegennahme von Publikumseinlagen (max. 100 Mio. Fr.) beschränken. Es darf die Gelder also nicht als Kredite ausleihen oder anlegen.

Direkter Zugang zur Nationalbank

Der SFS fordert nun eine Fristverlängerung auf neunzig Tage, da viele Crowdfunding-Kampagnen über drei Monate laufen. Der Sandkasten soll ausgebaut werden und die Entgegennahme von bis zu 10 Mio. Fr. Kundengeldern möglich sein. Zudem soll die 20er-Regel komplett abgeschafft werden.

Ähnlich lesen sich die Stellungnahmen der Swiss Finance + Technology Association (SFTA) und der CFA Society Switzerland, die aufgrund personeller Überschneidungen in diesen Verbänden tatsächlich identisch sind.

SFTA fordert für die Besitzer der Fintech-Lizenz gar einen direkten Zugang zur Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 1945 1.73%)), sprich den Anschluss an das System des schweizerischen Zahlungsverkehrs, so wie Vollbanken ihn haben.

«Keine Techie-Messe und nicht Hollywood»

Den Start-up-Vertretern stehen die verschiedenen Verbände der etablierten Finanzindustrie gegenüber – die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg), der Verein Schweizerischer Vermögensverwaltung (VSV), der Kantonalbankenverband, der Zürcher Bankenverband oder der erwähnte VSKF.

Sie alle pochen gegenüber dem Bundesrat auf die Einhaltung gleich langer Spiesse. «Es soll keine Wettbewerbsverzerrung zulasten etablierter Akteure stattfinden», schreibt der SBVg.

Es dürfe keine Ausnahmen vom Geldwäschereigesetz oder vom Konsumkreditgesetz für die jungen Unternehmen geben. Auch die Aufsicht dürfe keine andere sein als für die etablierten Player. «Es ist kein sachlicher Grund ersichtlich, weshalb speziell neue Anbieter gegenüber bereits bestehenden gefördert werden sollen», schreibt der VSKF

Zudem solle mit neuen Bewilligungskategorien keine Industriepolitik betreiben werden. «Finanzmarktaufsicht ist keine Techie-Messe und nicht Hollywood», schreibt der VSV. Bewilligungen sollen nicht zu Awards verkommen.

Vernachlässigte Themen

Es wird spannend sein zu sehen, ob diese Trennlinien auch in einer parlamentarischen Debatte zum Thema auftauchen werden. Worin sich beide Seiten einig sind: Das bundesrätliche Regulierungsbestreben ist Stückwerk. Es fehlen z.B. die Themen Blockchain, elektronische ID, Big Data oder das Internet der Dinge.

Der  Verband Swiss Fintech Innovations (SFTI) plädiert deshalb für die Entwicklung einer Gesamtstrategie, die alle relevanten Akteure, Prozesse und Dienstleistungen punkto Digitalisierung der Finanzindustrie erfasst.

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