Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Momentum

Der Chart des Tages

Frank Heiniger
Unternehmen im Kaufrausch.

Der Buckingham Palace, die Tate Modern, ein Fussballspiel von Tottenham Hotspur, aussergewöhnliche Plattenläden: London ist immer eine Reise wert. Nach dem massiven Kursverlust des britischen Pfunds erst recht.

Dass die schwache Lokalwährung viele Gäste anlockt, zeigt sich in den jüngst publizierten Statistiken zum Gesamtjahr 2016. So ist die Besucherzahl in der britischen Metropole auf ein neues Allzeithoch von über 19 Mio. gestiegen.

Doch nicht nur Touristen scheinen die Pfundschwäche für ausgedehnte Shoppingtouren zu nutzen. Auch internationale Konzerne packen die Gelegenheit beim Schopf, sich im britischen Markt zu günstigen Konditionen einzudecken.

Das illustriert der obige Chart des Tages: Ausländische Unternehmen haben über die letzten vier Quartale britische Gesellschaften im Rekordvolumen von beinahe 200 Mrd. £ akquiriert (dunkelblaue Kurve). Britische Konzerne sind dagegen auf dem internationalen Parkett kaum als Käufer aufgetreten (hellgraue Kurve).

Der Chart des Tages

Andreas Neinhaus
Donald Trump hat ein Dollar-Problem.

Auf seiner ersten Auslandreise als Präsident der Vereinigten Staaten könnte Donald Trump zum ersten Mal verstehen, warum seine Vorgänger seit Jahrzehnten betonten, dass sie für einen starken Dollar stehen. Selbst wenn der Kurs des Greenbacks am Markt phasenweise schwächelte, prägte dieses Versprechen jede Präsidentschaft seit den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Währung der militärisch und wirtschaftlich führenden Nation spiegelt direkt die politische Machtposition ihres Präsidenten als «Führer der freien Welt».

Trump will ein starkes Amerika, aber erklärtermassen einen schwachen Dollar. Dass diese Strategie aufgeht, ist zu bezweifeln. Das eine ist ohne das andere kaum möglich.

Der Chart zeigt, wie die wachsenden innenpolitischen Wirren nicht nur den US-Präsidenten schwächen, sondern auch die US-Währung. Die Zustimmungsraten (blaue Linie, rechte Skala) sind seit dem Wahlsieg im November und dem Amtsantritt im Januar gesunken. Fast im Gleichschritt dazu hat sich der Dollar gegenüber den wichtigsten Währungen abgewertet (gelbe Linie).

Die Wechselkursverluste dürften dem ungestümen Staatsoberhaupt momentan zwar ins Konzept passen. Sollten sie sich jedoch fortsetzen und dabei vor allem den politischen Terrainverlust des Präsidenten im In- und Ausland spiegeln, wird das für Donald Trump ein ernstzunehmendes Problem.

Bitcoin kennt kein Halten mehr

Pascal Meisser
Eine Einheit der Digitalwährung klettert am Montag auf 2100 $. Was wirklich hinter dem jüngsten Kurshype steckt.

Es macht sich Goldgräberstimmung breit unter den Bitcoin-Anhängern. Der Preis für diese neuartige Währung steigt von Tag zu Tag höher. Am Wochenende kletterte eine Einheit des digitalen Zahlungsmittels auf mehreren Online-Handelsplattformen erstmals über 2000 $. Am Montagmorgen werden bereits Preise von über 2160 $ bezahlt – ein weiteres Plus von 8%.

Damit hat sich der Wert eines einzelnen Bitcoins seit März mehr als verdoppelt. Gegenüber Anfang Jahr hat sich Bitcoin gar 150% verteuert. Damals kostete die Währung rund 800 $.

Deutlich gestiegenes Interesse

Doch was steckt hinter dem jüngsten Boom? Für immer mehr Anleger wird Bitcoin zum neuen Gold (Gold 1253.59 -0.74%) – und damit zur neuen Krisenwährung. Allein in der vergangenen Woche kletterte Bitcoin 500 $ in die Höhe, als die USA mit dem potenziellen Politskandal sowie Brasilien die Finanzmärkte leicht schüttelten.

Vermehrt wurde Bitcoin als vermeintlich sichere und kaum zu herkömmlichen Assets korrelierte Anlage gesucht. Vor allem in Japan ist das Interesse an der digitalen Währung massiv gestiegen. Derzeit werden rund 55% des gehandelten Volumens aus Japan abgewickelt. Noch vergangene Woche lag der Anteil bei 40%. Anfang Jahr war der Bitcoin-Handel zu 98% in chinesischer Hand gewesen.

Zudem kamen aus den USA Zeichen, dass der zunächst nicht zugelassene Bitcoin-ETF der Winklevoss-Zwillinge von der amerikanischen Finanzmarktaufsicht SEC doch noch erlaubt werden könnte. Ausserdem hat Japan Anfang April Bitcoin als offizielles Zahlungsverfahren zugelassen. In Russland könnte ein solcher Schritt ebenfalls bevorstehen.

Nicht zuletzt ziehen auch die Meldungen über den rasanten Aufwärtstrend neue Investoren an, die ebenfalls an den sagenhaften Kursgewinnen partizipieren wollen. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass trotz der jüngsten Einbahnstrasse Bitcoin und Co. eine sehr volatile Anlage ist.

Zur Erinnerung: Bereits Ende 2013 erlebte Bitcoin eine Versechsfachung des Kurses, um die 1000-$-Marke zu knacken, bevor der Kurs um über die Hälfte einbrach. Deshalb hat am Sonntag auch die Deutsche Bundesbank in einem Zeitungsinterview Sparer davor gewarnt, in Bitcoin zu investieren. «Digitale Währungen sind ein Spekulationsobjekt, dessen Wert sich rapide verändert», sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der «Welt am Sonntag». «Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.»

Hunderte von Digitalwährungen weltweit

Doch nicht nur Bitcoin-Anhänger dürfen sich über hohe Kursgewinne freuen. Auch andere Kryptowährungen haben deutlich zugelegt. Weltweit sind derzeit 830 alternative Währungen registriert. Neben Bitcoin gehört Ether zu den meistgehandelten Digitalwährungen. Ether ist das Zahlmittel des in Zug beheimateten Start-up Ethereum.

Der Wert all dieser Währungen ist zuletzt auf über 60 Mrd. $ geklettert. Das Problem all dieser Digitalwährungen ist: Es gibt keinen inneren Wert. Einzig Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das öffnet Spekulanten die Tür, um den Preis nach oben zu treiben.

Bitcoin existiert seit 2009 als virtuelle Währung, die an speziellen Börsen in reales Geld getauscht werden kann. Geschaffen wird es mithilfe von Computern, die aufwändige Rechenoperationen bewältigen müssen und dafür mit Einheiten der Währung belohnt werden. Für Bitcoin steht keine Regierung oder Zentralbank ein.

Der Chart des Tages

Hanspeter Frey
Weshalb sich Aktienanleger nicht vor Inflation fürchten müssen.

Noch heute ist der Spruch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt legendär: «5% Inflation sind mir lieber als 5% Arbeitslosigkeit.» Die Äusserung des SPD-Kanzlers 1972 vor dem Deutschen Bundestag löste nicht nur Tumulte unter der oppositionellen CDU/CSU-Fraktion aus, sondern befeuerte eine ökonomische Debatte, die auch Jahrzehnte später immer wieder aufflammt. In Zeiten der Ölpreisschocks und realer Lohnverluste war Inflation des Teufels. Das sahen auch die Notenbanken so, die sich mit allen Mitteln dagegenstemmten – auf Kosten, wie sich anschliessend herausstellte, einer Rezession.

Heute herrscht unter den Geldhütern eine andere Sicht. Inflation mit Mass ist erwünscht. Anders als ihr Gegenpol, die Deflation, bringt sie die hohen Schuldenberge, die auf den meisten Ländern lasten, real zum Schrumpfen. Und sie stösst über Konsum und Unternehmensinvestitionen, die nicht mehr aufgeschoben, sondern vorgezogen werden, die Konjunktur an. «Reflation Trade», heisst das Stichwort dazu.

So weit, so gut. Doch fragt man Ökonomen und Anlagestrategen nach den grössten Risiken für die Anlagemärkte, antworten viele: die Rückkehr von Inflation und steigende Zinsen. Das stimmt für Obligationen. Inflation und Zinsanstieg schmälern den Barwert laufender Verbindlichkeiten. Was aber ist mit Aktien?

In den Siebzigerjahren mit hoher Inflation und hohen Zinsen schnitten mit Ausnahme von Öl- und Minentiteln fast alle Aktien schlecht ab, am schlechtesten der Konsumsektor. Doch von Zuständen wie damals sind wir weit entfernt. In den USA, im Wirtschaftszyklus am stärksten fortgeschritten, hat sich die Inflation in kleinen Schritten auf 2,2% im April bewegt. Das liegt exakt in der Spanne, in der Aktien von Inflation profitieren, und zwar so stark wie bei keinem anderen Inflationsniveau.

Das zeigt die Grafik der US-Grossbank J.P. Morgan, die sich auf Studien stützt, die bis ins Jahr 1872 zurückgehen. Bei einer Inflation von 1 bis 3% ist die Aktienbewertung am höchsten, wobei selbst bei 3 bis 5% Preissteigerung eine hohe Aktienbewertung noch immer gerechtfertigt ist. Weshalb? Zum einen sind Aktien Sachwerte, zum anderen sind Unternehmen bei gut laufender Konjunktur zunehmend in der Lage, Kostensteigerungen zu überwälzen und Gewinn- und Dividendenwachstum zu verteidigen.

In den USA mit einer Inflation, die Prognosen zufolge bis 2020 unter 3% bleiben wird, und einer Arbeitslosenrate von zurzeit 4,4% würde sich Helmut Schmidt seinen Spruch verkneifen. Wohl aber nicht im Euroraum mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von knapp unter 10% und einer Inflation im April von 1,9%. Aktieninvestoren kann’s egal sein. Bei dieser mässigen Teuerungsentwicklung in Amerika, in Europa und anderswo drängen sich Aktien unverändert als gute, wenn nicht beste Anlage auf.

Der Chart des Tages

Clifford Padevit
US-Privatverschuldung erreicht neues Höchst.

Vor genau zehn Jahren sagte der damalige US-Notenbankchef Ben Bernanke: «Wir erwarten, dass die Probleme im Subprime-Sektor kaum Auswirkungen auf die übrige Wirtschaft oder das Finanzsystem haben werden.»

Heute wissen wir, seine Einschätzung war falsch.

Genau zehn Jahre später bauen die US-Haushalte wieder Schulden auf. Tatsächlich ist der Stand der Schulden im ersten Quartal 2017 erstmals wieder höher als auf dem Höhepunkt 2008. Das berichtet die «New York Times» mit Berufung auf Zahlen der Federal Reserve Bank of New York: Die US-Haushalte stehen derzeit mit 12’730 Mrd. $ in der Kreide.

Unter der Oberfläche zeigt sich, wie sich die Verwendung der Schulden verschoben hat. Im Vergleich zu 2008 sind die Hypothekarschulden von einem Anteil von 73% der Schulden auf 68% zurückgegangen. Gut doppelt so gross ist dagegen der Anteil der Studentenkredite (10,6%), und auch die Autokredite (9,2%) haben grösseres Gewicht.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise ist allen klar, dass eine hohe Verschuldung in einer Krise verheerende Wirkung entfaltet. Allerdings steht die US-Wirtschaft heute im Vergleich zu 2008 an einem anderen Punkt: Sie wächst.

Tags: