Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Momentum

Der Chart des Tages

Sandro Rosa
Energieschwund im S&P 500.

Das waren noch Zeiten, als der Rohölpreis selbstbewusst über der 100-Dollar-Marke pendelte. Es scheint zwar eine Ewigkeit her zu sein, tatsächlich aber war das noch im Jahr 2014 der Fall. Noch etwas weiter zurück in der Vergangenheit – 2008 – notierte der Rohstoff gar über 140 $ pro Fass (1 Fass entspricht 159 Litern).

Damals war die Welt der Energiekonzerne noch im Lot. Im Sommer 2008, nur wenige Monate bevor die Finanzkrise mit voller Wucht über die Börsen hereinbrach, verdienten die Ölkonzerne noch richtig Geld, es wurde investiert, die Stimmung war gut.

Tempi passati! Der Rohölpreis ist seither kollabiert und notiert aktuell bei rund 45 $. Nicht einmal mit der Unterstützung Russlands schafft es das einst mächtige Kartell der erdölexportierenden Staaten (Opec), den Preis nachhaltig nach oben zu treiben.

Kein Wunder, hat die Bedeutung der Energiemultis im weltweit wichtigsten Börsenbarometer, dem S&P 500 (SP500 2438.3 0.16%), in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Kam der Sektor 2008 auf einen Index-Anteil von rund 16%, bringt er heute nur noch gerade knapp 6% auf die Waage. Damit ist er nur noch der siebtgrösste Sektor. Das Gewicht der IT-Branche ist mittlerweile fast viermal so gross.

Doch der Bedeutungsverlust hat auch seine positive Seite: Dank des geringen Gewichts des gebeutelten Sektors ist sein Einfluss auf den Gesamtindex beinahe vernachlässigbar geworden: Denn obschon der S&P 500 Energy Index seit Jahresanfang 15% eingebüsst hat, notiert der S&P 500 rund 9% im Plus.

Der Chart des Tages

Tina Haldner
Böse Überraschungen.

Die Hoffnungen auf ein Wachstumswunder in den USA waren gross – zu gross, wie sich immer deutlicher herauskristallisiert.

Besonders schön lassen sich die überzogenen Erwartungen am Citi-Überraschungsindex ablesen (vgl. blaue Kurve). Er vergleicht die tatsächlich ermittelten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen. Grundsätzlich gilt: Fallen die Daten besser aus als prognostiziert, notiert der Index über der Nullgrenze. Überwiegen die Enttäuschungen, rutscht er ins Minus.

Mitte März kletterte der Überraschungsindex auf sein bisheriges Jahreshöchst, seither befindet er sich im freiem Fall: Die Wirtschaftsdaten der vergangenen Monate vermochten die hohen Erwartungen nicht zu erfüllen. Mittlerweile notiert das Barometer bei knapp –80. Das ist der niedrigste Stand seit August 2011.

Die Aktienmärkte lassen sich von der Flut enttäuschender Daten bislang nicht beirren. Der amerikanische Leitindex S&P 500 eilt fast ungebremst von Höchst zu Höchst (vgl. rote Kurve).

Skepsis zeigt sich dagegen am Bondmarkt. Sorgen vor einer Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft haben jüngst zu einem Rückgang der langfristigen Zinsen geführt.

Der Chart des Tages

Peter Rohner
Der Wirtschaftsaufschwung stirbt nicht an Überalterung.

Der Chart des Tages ist heute eine Tabelle: Sie zeigt in den ersten beiden Spalten den Beginn und das Ende der Expansionsphasen der US-Wirtschaft, in der dritten deren Dauer und in der Spalte ganz rechts die durchschnittliche annualisierte Wachstumsrate während der jeweiligen Expansionsphase.

Die seit der Finanzkrise 2008/09 laufende Erholung ist die drittlängste Wachstumsphase seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie dauert nun schon 32 Quartale. Hält der Trend an, wird sie nächstes Jahr die zweitlängste Erholung sein, ab Mitte 2019 die längste.

Die Tabelle zeigt aber auch, dass die aktuelle Expansion die lahmste ist. Nur gerade 2% ist die Wirtschaft im Schnitt pro Jahr gewachsen. Im Boom der Neunzigerjahre war das Wachstum fast doppelt so hoch. Das schmälert das Risiko einer Überhitzung.

Eine Expansion sterbe nicht einfach an Überalterung, finden auch die Ökonomen der Deutschen Bank. Typischerweise enden Erholungsphasen aus anderen Gründen.

Eine typische Todesursache ist zum Beispiel eine Überhitzung durch zu viele Investitionen, so wie während des Tech-Booms Ende der Neunzigerjahre. Damals stieg der Anteil privater Investitionen am BIP von 14 auf fast 20%. Davon ist die USA heute weit entfernt. Die Investitionsquote liegt knapp über 16%.

Auch ein Schock von aussen kann die US-Wirtschaft zu Fall bringen. Am Anfang der Rezessionen in den Siebziger- und Achtzigerjahren stand jeweils ein Ölschock, in dessen Folge die Inflation anzog und die Geldpolitik reagieren musste. Ein solches Szenario ist derzeit ebenfalls eher unwahrscheinlich, da die US-Ölindustrie für ein Überangebot sorgt.

Der dritte häufige Grund für eine Rezession war in der Geschichte eine Überreaktion der Zentralbank. Wenn sie die Zinsen zu stark erhöht, kann sie damit die Konjunktur abwürgen. Dieses Risiko besteht auch heute. Bisher geht die US-Notenbank allerdings noch sehr behutsam vor.

Hot Corner: Dem Strudel entronnen

Wolfgang Gamma
Der deutsche Aussenwerber Ströer wächst. Grosse Hoffnungen werden in das Digitalgeschäft gesetzt.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, als Leerverkäufer zum Angriff auf die Aktien des grössten deutschen Plakatwerbers bliesen. Erst wenige Monate zuvor waren die Titel in den MDax aufgenommen worden, der die wichtigsten deutschen Mid Caps enthält. Der Aufschwung von Ströer (Frankfurt, SAX, Marktwert 3070 Mio. €) wurde jäh gestoppt. Bedenken zum organischen Wachstum, den ausgewiesenen Gewinnzahlen sowie Managementpraktiken hatten den Sturm ausgelöst.

Vierzehn Monate später haben sich die vom Aktivisten Muddy Waters hervorgerufenen Wogen gelegt. Der Aktienkurs erholt sich und das Unternehmen kann sich auf das Geschäft konzentrieren. Im ersten Quartal steigerte Ströer den Umsatz organisch fast 9%, inklusive Akquisitionen stieg das Geschäftsvolumen 24% auf 281 Mio. €. Für das ganze Jahr stellt Udo Müller, Gründer und Co-CEO, 1,3 Mrd. € Umsatz in Aussicht.

Digital im Fokus

Ströer gruppiert das Geschäft mit Aussenwerbung in die zwei Segmente Deutschland und International. Dazu kommt als drittes Standbein das Digitalgeschäft, in das grosse Hoffnungen gesetzt werden. Dieses Segment baute im ersten Quartal den Umsatz über alle Produktgruppen hinweg aus. Mit 148 Mio. €  (+59% dank Akquisitionen) trägt es über die Hälfte zum Gruppenumsatz bei. Zum Bereich zählt  t-online.de, das nach eigenen Angaben reichweitenstärkste Newsportal Deutschlands.

Im Segment Out of Home Deutschland (Aussenwerbung, Umsatz 114 Mio. €) gelang im ersten Quartal eine Umsatzsteigerung um gut 5%. Verhalten entwickelte sich dagegen das internationale Geschäft (–11% auf 26,6 Mio. €). Die politisch angespannte Lage in der Türkei sowie der Wettbewerb in Polen drückten auf das Geschäft. Das Riesenpostergeschäft in Westeuropa (Blow-up-Gruppe) vermochte diesen Rückgang nur teilweise zu kompensieren.

Nicht ausgereizt

Auch in der Verbesserung der Profitabilität ist Ströer mit Ausnahme des Bereichs International solide unterwegs. Der Gewinn nahm 18% auf 25 Mio. € zu. Die Ebitda-Marge lag in den grossen Segmenten um 23%, und wegen hoher Investitionen damit etwa auf Vorjahreshöhe. Für das ganze Jahr erwartet das Unternehmen 320 Mio.  € Betriebsgewinn (Ebitda, Marge 24,6%). Zum Vergleich: APG aus der Schweiz wies für 2016 eine Ebitda-Marge von 24,8% aus.

Die MDax-Werte Ströer stehen bei einer Mehrzahl der Analysten auf der Empfehlungsliste (14 Kaufen, zwei Halten). Sie schätzen das Geschäftsmodell, das dem dynamischen Digitalsektor die nötige Beachtung schenkt. Eine deutlich zweistellige Gewinnzunahme dürfte 2017 und 2018 die Folge sein. Die Zwölf-Monats-Kursziele der Analysten schwanken zwischen 56.50 und 72 €. Potenzial ist somit vorhanden.

Der Chart des Tages

Christoph Gisiger, New York
US-Unternehmensanleihen senden ein Alarmsignal.

An Wallstreet verfliegt die Euphorie über einen bevorstehenden Konjunkturschub. Im Handel mit zehnjährigen US-Staatsanleihen zum Beispiel sind die Renditen fast auf das Niveau von vor den Präsidentschaftswahlen zurückgefallen. Der Dollar bewegt sich bereits wieder unter dem Stand vom 8. November. Beides sind Anzeichen für eine Wirtschaftsflaute.

Ein Warnsignal sendet sogar der Markt für amerikanische Unternehmensanleihen. Wie der obige Chart des Bondspezialisten DoubleLine zeigt, ist das Volumen solcher Schuldenpapiere (Corporate Debt) im Verhältnis zur US-Wirtschaftsleistung (GDP) seit dem Ende der Finanzkrise stetig gestiegen. In den vergangenen Monaten hat der Trend jedoch gedreht.

Was könnte das bedeuten? Eine solche Trendwende – wie sie sich jetzt beobachten lässt – ist mit den letzten drei Rezessionen in den USA (graue Balken) zusammengefallen, bemerkt DoubleLine-Chef Jeff Gundlach. «Ich denke aber nicht, dass die Trendwende einen Wirtschaftsabschwung auslöst. Vielmehr löst der Abschwung die Trendwende aus», sagte der ausgewiesene Marktkenner unlängst während einer Telefonkonferenz.

Noch ist es zu früh, um definitiv zu sagen, dass der Trend gebrochen ist. Der aktuelle Knick könnte sich auch bloss als temporäre Delle herausstellen, nach der es weiter aufwärts geht. Mit Blick auf die Vergangenheit sollten Investoren den Markt für Unternehmensanleihen in den nächsten Monaten jedoch gut im Auge behalten.