Momentum
11:32 - 27.04.17

Der Chart des Tages

Christoph Gisiger, New York
Der wilde Ritt des Nasdaq Composite.

Aktien aus dem Technologiesektor laufen heiss. Wie der obige Chart des Researchdienstes Bespoke Investment zeigt, ist das Branchenbarometer Nasdaq Composite diese Woche erstmals seit seiner Etablierung über 6000 geschossen.

Um den historischen Meilenstein zu passieren, hat der Index allerdings viel Zeit gebraucht. Preschte er während des Internetbooms in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre in nur 1697 Kalendertagen von 1000 auf 5000 vor, benötigte er für den aktuellen Tausenderschritt 6255 Tage.

Zu verdanken hat der Indikator den neuen Rekord vor allem fünf Aktien: Apple, Amazon, Facebook, Microsoft und das Google-Mutterhaus Alphabet haben mehr als 40% zum  Kursgewinn des Nasdaq Composite seit Anfang Jahr beigetragen.

Das spiegelt sich auch im Börsenwert. Gemessen an der Kapitalisierung belegen die IT-Kolosse jetzt geschlossen die Plätze eins bis fünf unter den grössten US-Unternehmen. Zusammen bringen sie rund 2750 Mrd. $ auf die Waage, was knapp 15% des Bruttoinlandprodukts der amerikanischen Wirtschaft entspricht.

07:10 - 27.04.17

Bitcoin nahe Allzeithoch

Alexander Trentin
Der Kurs von Bitcoin springt über 1340 $. Ein Grund: ein ETF auf die Digitalwährung ist wieder in Prüfung. Doch die Banken stellen Hürden auf.

Wie Bitcoin funktioniertLesen Sie im Detail, wie eine Transaktion auf der Blockchain abläuft. Die Blockchain ist die Technologie hinter der Digitalwährung Bitcoin.

» Wie funktioniert die Blockchain?
Die Digitalwährung Bitcoin hat es wieder einmal geschafft – allen Unkenrufen zum Trotz konnte sich der Kurs vom Einbruch im März erholen. Am 10. März hatte die virtuelle Währung kurzzeitig den Höchstwert von 1350 $ erreicht. Danach stürzte der Kurs über 25% ab. Der Antrag auf einen börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Fund, ETF) auf Bitcoin war von der US-Börsenaufsicht SEC abgelehnt worden.

Bis am 25. März fiel der Kurs weiter und erreichte bei unter 900 $ den Wendepunkt. Seitdem konnte sich der Wert der Digitalwährung stetig erholen. An der der Börse BitStamp wurde sie am Donnerstagabend über 1340 $ gehandelt.

Wert seit Herbst verdoppelt

Wer längerfristig in die Währung investiert hat und die Schwankungen nicht beachtete, kann sich nicht beschweren: In den letzten sechs Monaten hat sich der Wert verdoppelt. Allein seit Mitte Januar ist der Kurs über 60% gestiegen.

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Hinter dem jüngsten Kursanstieg stehen erneute Spekulationen über eine mögliche Zulassung des Bitcoin-ETF.  Denn der Börsenbetreiber Bats Exchange hat die SEC gebeten, den Antrag noch einmal zu prüfen. Gemäss diesem Dokument der Aufsichtsbehörde will sie nun tatsächlich diese Überprüfung einleiten.

Die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss haben den ETF schon seit drei Jahren in Planung. Sie sind bekannte Internetunternehmer, die zuletzt die Bitcoin-Börse Gemini gegründet haben.

Bitcoin wird oft als «digitales Gold» bezeichnet. Doch in den vergangenen Jahren hat die Internetwährung das Edelmetall in Sachen Performance um Längen geschlagen. Seit Anfang 2014 hat Bitcoin über 70% zugelegt. Gold (Gold 1264.13 -0.26%) dagegen nur 4,7%. Ein Bitcoin ist jetzt mehr wert als eine Unze Gold.

Doch der Vergleich mit Gold scheitert vor allem an der Grösse der beiden Anlageklassen. Alle Bitcoins zusammengerechnet haben nun eine Marktkapitalisierung von 20 Mrd. $. Das bisher geschürfte Gold hat einen geschätzten Marktwert etwa 7000 Mrd.$.

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Hürden von Banken aufgestellt

Während der Fonds Bitcoin-Anleger hoffen lässt, bauen Banken neue Hürden für die Digitalwährung auf. So haben drei Bitcoin-Börsen in den vergangenen Wochen bekanntgegeben, keine Transaktionen gegen Dollar mehr durchführen zu können.

Das «Wall Street Journal» (WSJ) berichtet, dass einige Börsen Probleme mit ihren Bankkonten haben. Die globalen Finanzinstitute erachten das Geschäft mit den Börsen als zu riskant und haben daher Überweisungen an ihre Konten abgelehnt.

Die in Hongkong ansässigen Börsen Bitfinex und OKCoin sowie die Börse BTC-e – deren Standort nicht bekannt ist – können damit Bitcoin nicht mehr in Dollar tauschen. Die Geldhäuser Wells Fargo, J. P.  Morgan und Standard Chartered verbieten gemäss WSJ Transaktionen mit Bitcoin-Börsen.

«Sie schliessen ein Konto, wir öffnen eines woanders», wird Bitfinex-CEO Philip Potter zitiert. «Es scheint aber ein Kampf zu sein, den wir verlieren.»

Abhängigkeit von China abgeschüttelt

Bitcoin wurde im Februar noch eine düstere Zukunft prophezeit, da die allermeisten Transaktionen der Digitalwährung im vergangenen Jahr über chinesische Börsen abliefen. Die Regierung in Peking schien gegen die Handelsplätze vorzugehen, damit sie nicht zur Kapitalflucht verwendet werden können. Ohne die Nachfrage aus China sahen Beobachter schwarz für den Bitcoin-Kurs.

Tatsächlich ist das Handelsvolumen wegen des abgestorbenen Bitcoin-Handels mit chinesischen Yuan eingebrochen. Dass die Digitalwährung das Ende der China-Börsen so gut verkraftet hat, ist ein positives Zeichen.

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Dennoch gilt weiterhin: Anleger müssen bei Bitcoin mit einer extrem hohen Volatilität rechnen.

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11:55 - 26.04.17

Der Chart des Tages

Alexander Trentin
US-Aktien entfernen sich von der Realwirtschaft.

Aktienkurse sind das Ergebnis des Spiels mit den Erwartungen. Trifft ein Ereignis ein, das an den Finanzmärkten schon mit hoher Sicherheit erwartet wurde, reagieren die Kurse kaum. Werden dagegen Unternehmensergebnisse oder volkswirtschaftliche Daten publiziert, die so nicht erwartet wurden, dann beeinflusst das die Kurse.

Daher gleicht der Verlauf des oben abgetragenen Index der ökonomischen Überraschungen jenem der Börse. Steigt der Citi Economic Surprise Index für die USA, gibt das dem S&P 500 (SP500 2388.77 0.06%) Schub.

Der Index wird als gewichtete Standardabweichung der Datenüberraschungen ermittelt. Die Überraschung ist dabei die Differenz zum Median von Analystenschätzungen.

In den vergangenen Monaten hat sich die US-Wirtschaft besser entwickelt als erwartet. Ab Mitte Oktober stieg der Überraschungsindex stetig, Mitte November überschritt er die Nulllinie.

Seit Anfang März ist der Surprise-Index aber deutlich gefallen. Anfang Woche war er sogar kurz davor, unter die Nulllinie zu fallen. Trotzdem gehen die Aktienmärkte weiter nach oben.

Zuletzt hat die Ankündigung von Donald Trump, den Unternehmenssteuersatz deutlich senken zu wollen, für einen neuen Kursschub gesorgt. Doch ohne neue, überraschend gute Daten könnte der Rally die Luft ausgehen.

Andere Märkte sehen gemäss dem Economic Suprise Index deutlich positiver aus. In Kanada, China und der Schweiz übertreffen die ökonomischen Daten derzeit die Prognosen am deutlichsten.

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17:12 - 25.04.17

Die Trump-Euphorie geht, die Inflation bleibt

Alexander Trentin
Die Finanzmärkte sind weniger optimistisch für die Wirkung der US-Politik. Doch der Trend zur höheren Inflation hält an.

Die Wahl von Donald Trump hatte unter Investoren für Optimismus bezüglich Konjunktur und Gewinnwachstum gesorgt. Weltweit stiegen die Aktienkurse und die Zinsen. Der mexikanische Peso wertete sich wegen der Angst vor mehr Protektionismus stark ab.

Damit ist es nun vorbei. Hier hat Peter Rohner den Zusammenbruch der «Trump-Trades» zusammengefasst.

Die Renditen steigen nicht mehr, sie sind seit Monaten in einer Handelsspanne gefangen.

Rendite StaatsanleihenzoomQuelle: Deutsche Bank

Die globalen Aktienmärkte stagnieren mehr oder weniger seit Anfang März.

AktienmärktezoomQuelle: Deutsche Bank

Und der mexikanische Peso konnte sich seit Anfang Februar deutlich erholen. Für einen Dollar bekommt man jetzt nicht mehr 22, sondern weniger als 19 Peso.

Mexikanischer PesozoomQuelle: Deutsche Bank

Reale Gründe für weniger Optimismus

Dass die Wetten an den Finanzmärkten auf eine Wachstumsbeschleunigung nicht mehr ziehen, hat realwirtschaftliche Ursachen.

In den USA zeigen die neusten Wirtschaftsdaten wie der letzte Arbeitsmarktbericht deutlich weniger Wachstum in diesem Quartal an, als zuerst geschätzt wurde.

Es bleibt abzuwarten, ob Trumps letzte Ankündigung einer Steuersenkung für Unternehmen sich in höheren Aktienkursen ausdrücken wird. Der Steuersatz soll von 35 auf 15% gesenkt werden.

US-BIP-Prognose 1. Quartal 2017zoomQuelle: Atlanta Fed

Auch wenn derzeit global die tatsächlichen Daten besser ausfallen als die Schätzungen, könnte dieser Trend gemäss Deutsche Bank (DBK 16.7 -3.66%) bald vorbei sein. Der globale Suprise-Index, der die Abweichung der publizierten Konjunkturdaten vom erwarteten Ergebnis misst, «könnte sein Höchst erreicht haben», meinen die Analysten der Deutschen Bank.

Überraschungen globale KonjunkturzoomQuelle: Deutsche Bank

Was vom Tage übrig blieb

Doch auch wenn sich die Konjunktur tatsächlich abschwächen würde, bliebe ein Trend intakt: der der höheren Inflation. «Es ist voreilig, bereits das Ende der Phase mit höherer Inflation zu verkünden,» schreiben die Analysten.

Sie argumentieren, dass das Wachstum auch nach dem Abflachen über dem Trend ausfallen wird. Dadurch sollte sich der Leerlauf in den Volkswirtschaften reduzieren – und so neuen Inflationsdruck generieren.

Besonders in den USA sei der Inflationsdruck beachtlich. Gemäss der Deutschen Bank wird die niedrige Arbeitslosigkeit die Preise steigen lassen. Denn eine Knappheit an Arbeitskräften führt zu höheren Löhnen, was wiederum die Teuerung anheizt.

Auch der Ölpreis sollte in den kommenden Monaten für höhere Teuerungsraten gegenüber dem Vorjahr sorgen. Zuletzt ist die Notierung für Rohöl zwar gefallen, liegt aber höher als noch im Vorjahr.

Inflation, Rohstoffpreise und ÜberraschungenzoomQuelle: Deutsche Bank

In der Prognose der Deutschen Bank bis ins Jahr 2018 bleibt die Inflation in der Europäischen Union und in den USA relativ hoch. In der Eurozone sollte das Abflauen der politischen Risiken wie die Präsidentschaftswahl in Frankreich den wirtschaftlichen Aufschwung stärken und die Inflation antreiben.

Zweifel am Markt

Die Akteure an den Finanzmärkten sind von diesem Narrativ jedoch nicht überzeugt: Die Inflationserwartungen sind gemäss Terminmarkt seit dem Hoch Anfang Jahr zurückgegangen.

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Die Analysten von Morgan Stanley (MS 43.54 -1.43%) sind denn auch etwas zaghafter bei ihrer Einschätzung als die Deutsche Bank. Sie sehen die Wirtschaft in einer Übergangsphase. Bisher waren die Teuerungszahlen von Rohstoffpreisen abhängig. Von innen kam kein Inflationsdruck, da die Volkswirtschaften nicht voll ausgelastet waren – das könnte sich ändern, aber nur langsam.

In den USA hat sich zwar die sogenannte Output-Lücke geschlossen. Diese misst, wie viel Leerlauf in einer Volkswirtschaft noch vorhanden ist. Doch obwohl die Arbeitskräfte langsam knapp würden, sieht Morgan Stanley noch keinen Teuerungsdruck. Der Lohndruck sei noch nicht ausreichend, um mit einer im Inland erzeugten Inflation die nun wieder fallenden Rohstoffpreise aufzufangen.

Weniger China-Angst, wenn die Kapazitätsauslastung steigt

Schliessen sich in vielen Volkswirtschaften weltweit die Output-Lücken, ist das Terrain für mehr Inflation geebnet. Ein Einbruch der Rohstoffnachfrage aus China und fallende Preise würden nicht mehr gleich zum Schreckgespenst einer globalen Deflation führen.

«Die Märkte überschätzen vielleicht den Einfluss sinkender Produzentenpreise in China»,  folgern die Analysten von Morgan Stanley.

Wenn die Inflation bleibt – dank einer guten Konjunktur und nicht wegen steigender Rohstoffpreise – wäre das ein hoffnungsvolles Zeichen.

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11:59 - 25.04.17

Der Chart des Tages

Tina Haldner
Dämpfer für Trumps Wachstumswunder.

Hundert Tage ist US-Präsident Donald Trump am kommenden Samstag im Amt. Fast zeitgleich wird am Freitag die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum in dieser Periode veröffentlicht.

Das Ziel ist klar: 4% jährlich wird das amerikanische Bruttoinlandprodukt unter seiner Präsidentschaft wachsen, hat Trump vollmundig verkündet.

Die tatsächlichen Daten dürften weit weniger spektakulär ausfallen, wie das Prognosemodell GDPNow der Distriktnotenbank Atlanta signalisiert. Demnach ist die amerikanische Wirtschaft von Januar bis März lediglich 0,5% gewachsen (grüne Kurve). Im Schlussquartal 2016 betrug das Wachstum gegenüber der Vorjahresperiode noch 3,5%.

Das Echtzeit-Konjunkturbarometer GDPNow integriert Daten sofort bei Erscheinen in die Berechnung der Wirtschaftsleistung und nutzt dabei fast die gleiche Basis wie das Bureau of Economic Analysis, das die offiziellen Zahlen zur Konjunkturentwicklung publiziert.

Zu Jahresbeginn liessen die Wirtschaftsdaten noch auf eine robuste Konjunkturentwicklung hoffen: Bis Anfang März zeigte das Barometer ein Wachstum von 2,5% oder mehr an. Dann sorgte eine Reihe von enttäuschenden Daten für einen kontinuierlichen Rückgang der Prognosen. Dazu beigetragen haben sinkende Autoverkäufe, der unerwartet schlechte Arbeitsmarktbericht für den März und zuletzt eine Verlangsamung der Baubeginne im Immobilienmarkt.

Damit bleibt auf dem Weg zu Trumps Wachstumswunder noch viel Luft nach oben.