Das Wichtigste zum Börsenstart

Overnight

USA

Am Mittwoch haben die amerikanischen Börsen den grössten Kurseinbruch seit fast zwei Jahren erlebt. Auslöser waren schrumpfende Gewinne der grossen Detailhändler wie Walmart, Macy’s und Target. Anleger befürchten, die Gewinne könnten durch die Inflation weiter unter Druck geraten. Ausserdem erhielten erneut die Sorgen an Gewicht, dass eine zu straffe Gangart der US-Notenbank Fed die Konjunktur ausbremsen könnte. Auch aus der US-Bauwirtschaft kamen schwache Signale.

Der Dow Jones Industrial sackte um 3,6% auf 31’490 Punkte ab. Noch grössere Verluste verzeichneten der technologielastige Nasdaq Composite mit 4,7% (auf 11’418 Punkte) und der breit gefasste S&P 500 mit 4% (auf 3923 Punkte).

Bei den Einzelwerten hat es Target mit einem Kurssturz von zeitweise gut 26% besonders hart getroffen. Der Einzelhändler steigerte zwar den Quartalsumsatz auf 25,2 Mrd. $. Steigende Kosten liessen den Gewinn allerdings um die Hälfte auf 2.19 $ pro Aktie einbrechen.

Auch Technologieunternehmen büssten erneut ein. Sie sind oft hoch verschuldet und leiden unter steigenden Zinsen. Am Mittwoch gaben aber erneut auch grosse Qualitätstitel wie Amazon und Apple mehr als 5% ab. Cisco Systems, der grösste Hersteller von Computernetzwerkausrüstung, erwartet dieses Quartal aufgrund von Lockdowns in China einen schrumpfenden Umsatz. Die Aktien sind im nachbörslichen Handel bis zu 19% abgestürzt.

Gemäss den Futures-Kontrakten sollte sich der Abwärtstrend im S&P 500 stabilisieren. Für den Euro Stoxx 50 zeigt der Futures hingegen ein Minus von 0,8% an.

Asien

Die asiatischen Börsen haben den Abwärtstrend aus den USA am Donnerstag aufgenommen und befinden sich zumeist in tiefrotem Territorium. Der Nikkei 225 lag zeitweise 2,6% im Minus, der breite Topix 2%. Im späten Handel erholten sich die Kurse leicht, lagen aber immer noch deutlich in der Verlustzone.

Auch in Hongkong ging es abwärts. Der Hang Seng gab 2,5% ab. Besser präsentierten sich die Börsen in Festlandchina. Der Shanghai Composite und der CSI 300 lagen nur je knapp 0,3% im Minus. Der koreanische Kospi büsste 1,3% ein, der rohstofflastige australische All Ordinaries 1,6%. Wegen befürchteter tieferer Nachfrage büssten auch die Kurse zahlreicher Rohstoffe ein.

SMI 10'823.12 +3.54%
Euro Stoxx 50 3'533.17 +2.82%
DAX 13'118.13 +1.59%
Stoxx US 500 299.95 +3.07%
Nikkei 225 26'671.95 +0.68%
EUR/CHF 1.0111 +0.01%
USD/CHF 0.9573 -0.03%
EUR/USD 1.0565 +0.10%
Gold USD/Uz 1'827.10 +0.26%
Öl Brent 108.89 -0.82%
Bitcoin 20989.62 -0.20%

News Vorbörse Schweiz

Julius Bär: Die Bank Julius Bär (BAER 45.26 +5.08%) hat sich neue Mittelfristziele für 2023 bis 2025 gesetzt. Demnach strebt sie eine adjustierte Vorsteuermarge von 28 bis 31 Basispunkten und eine Cost-Income Ratio von unter 64% an. Beide Werte sind ambitionierter als zuvor. Auf ein explizites Ziel für das Nettoneugeldwachstum verzichtet sie weiterhin. In den ersten vier Monaten 2022 verzeichnete Julius Bär einen Abfluss der Kundenvermögen.

Clariant: Der Hersteller von Spezialchemikalien Clariant (CLN 17.72 +4.11%) hat den Umsatz im vergangenen Jahr 13% auf 4,4 Mrd. Fr. gesteigert. Der operative Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft legte 19% auf 708 Mio. Fr. zu, der Gewinn unter dem Strich hingegen ging von 825 auf 373 Mio. Fr. zurück. Die Dividende wird von 0.70 auf 0.40 Fr. gekürzt. (Lesen Sie hier mehr.)

Sika: Die Baustoffproduzentin Sika (SIKA 227.30 +3.08%) kauft in den USA United Gilsonite Laboratories. Der Hersteller von Abdichtungslösungen für den Heimwerkermarkt erzielt einen Umsatz von 65 Mio. Fr.

Sulzer: Aufgrund von Sanktionen durch die Regierung schliesst Sulzer (SUN 61.60 +2.33%) ihre beiden Niederlassungen in Polen mit sofortiger Wirkung. Sulzer will den Entscheid anfechten. Der betroffene Umsatz summiert sich auf 0,6% des Gesamtumsatzes. (Lesen Sie hier mehr.)

DKSH: Die auf Marktexpansionsdienstleistungen spezialisierte DKSH (DKSH 78.80 +2.67%) übernimmt Victa Food. Der Zukauf erweitert das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln in Italien. Es wurden keine Angaben zu Umsatz und Kaufpreis geliefert.

SoftwareOne: Die IT-Dienstleisterin SoftwareOne (SWON 11.56 +2.57%) steigerte den Bruttogewinn im Startquartal 11,5% auf 213 Mio. Fr. Der Ebitda stieg bloss 2% auf 42 Mio. Fr. Aufgrund des Jahresstarts bestätigte SoftwareOne die Ziele für das Gesamtjahr. (Lesen Sie hier mehr.)

Dufry: Der Reisedetailhändler Dufry (DUFN 35.07 +2.04%) hat den Umsatz auf 1,1 Mrd. Fr. im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Im Vergleich zu 2019 fehlen allerdings noch 40%. Auf eine Prognose für 2022 verzichtet das Unternehmen. (Lesen Sie hier mehr.)

Calida: Das Textilunternehmen Calida (CALN 40.90 +2.00%) übernimmt für 80 Mio. $ die US-Premium-Lingeriemarke Cosabella. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von 29 Mio. Fr. und einen Ebitda von 4,8 Mio. $. (Lesen Sie hier mehr.)

Evolva: Das Biotech-Unternehmen Evolva (EVE 0.0899 +2.16%) sieht sich auf Kurs, das angestrebte Umsatzwachstum von 50% dieses Jahr zu erreichen. Auch das zweite Ziel, ein zweistelliger Bruttodeckungsbeitrag, liege in Reichweite.

Varia US-Properties: Die auf US-Wohnimmobilien spezialisierte Varia (VARN 46.50 -0.21%) US Properties hat die Mieteinnahmen im Startquartal ein Fünftel auf 30,9 Mio. $ ausgedehnt. Der Portfoliowert nahm seit Jahresanfang 9% auf 1,54 Mrd. $ zu. Der Gewinn vervierfachte sich auf 100 Mio. $. (Lesen Sie hier mehr.)

Züblin: Die Immobiliengesellschaft Züblin (ZUBN 25.20 -0.79%) weist dank höherer Bewertung der Anlageliegenschaften einen 50% höheren Gewinn von 6 Mio. Fr. aus. Der Verwaltungsrat schlägt eine unveränderte Dividende von 1 Fr. vor.

Aevis Victoria: Die in Privatkliniken und Luxushotels engagierte Aevis (AEVS 17.80 +0.00%) Victoria erhöhte im ersten Quartal den Umsatz 62% auf 316 Mio. Fr. Ebitda und Gewinn stiegen ebenfalls deutlich. Für das Gesamtjahr rechnet die Beteiligungsgesellschaft mit signifikanten Dividenden und Kapitalgewinnen.

Burkhalter/Poenina: Der Elektroinstallateur Burkhalter (BRKN 70.00 +1.16%) und die Gebäudetechnikgruppe Poenina (PNHO 50.20 -0.40%) dürfen sich per 29. Juni zusammenschliessen. Die Wettbewerbskommission (Weko) beurteilt die Fusion als unbedenklich. Dabei wird Poenina in Burkhalter integriert. Der 29. Juni ist auch der letzte Handelstag der Poenina-Aktien. Durch den Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit einem Umsatz von 920 Mio. Fr. und einem Betriebsgewinn von 50 Mio. Fr.

Zuger Kantonalbank: Die Zuger Kantonalbank (ZUGER 7'180.00 +0.56%) übernimmt die Immofonds Asset Management AG (Ifam) ganz. Bisher hielt sie 34,5% an der Ifam. Sie ist Vermögensverwalterin des Immofonds, eines an der Börse SIX kotierten Immobilienfonds.

Highlight Event & Entertainment: Die Highlight Event & Entertainment (HLEE 22.80 +1.79%) (HLEE) hat den Umsatz 2021 von 415 auf 509 Mio. Fr. gesteigert. Indessen weist sie einen Verlust von 2,1 Mio. Fr. aus. Im Vorjahr hatte ein Minigewinn von 0,1 Mio. Fr. resultiert.

EPH European Property: Die Immobilienbeteiligungsgesellschaft EPH European Property (EPH European Property 28.00 -6.67%) will an der Generalversammlung im Juni beantragen, erneut auf eine Gewinnausschüttung zu verzichten. Seit Jahren schüttet sie keine Dividende aus. Sie besitzt Immobilien u.a. in Moskau und St. Petersburg.

Vorbörsenkurse von Julius Bär

Hier erscheinen jeden Montag bis Freitag von 08:00 bis 09:00 Uhr die Vorbörsenkurse von Julius Bär.

Wichtige Ereignisse vom 19.05.2022

Wichtige Ereignisse
vom 19.05.2022

SCHWEIZ
06:30   Dufry: Trading Update Q1 (Conf. Call 14.30 Uhr)
07:00   Clariant: Ergebnis Q4/2021 (vollständig)
07:00   Julius Bär: Strategie-Update (inkl. 4 Mte Zwischenbericht)
07:00   SoftwareONE: Update Q1 (Conf. Call 9.00 Uhr)
07:00   Varia US: Q1-Update
07:00   Züblin: Ergebnis 2021/22 (Conf. Call 9.00 Uhr)
09:00   Julius Bär: MK zu Strategie-Update, Dübendorf
11:00   Sunrise UPC: MK zu Fortschritten der Integration etc. , Glattbrugg
Sonstige Termine
Adval Tech: GV (ohne physische Präsenz)
Bell: Investor Day
Medacta: GV (ohne physische Präsenz)
INTERNATIONAL
Termine Unternehmen
06:55 DEU Bertrandt, Q2-Zahlen
07:30 ITA Assicurazioni Generali, Q1-Zahlen
08:00 GBR National Grid, Jahreszahlen
08:00 GBR Easyjet, Halbjahreszahlen (detailliert) (9.05 h Pressecall)
09:00 DEU Deutsche Bank, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU Südzucker, Bilanz-Pk, Mannheim
10:00 DEU PSI, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU LEG Immobilien, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU Pfeiffer Vacuum, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU ElringKlinger, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU Deutsche Real Estate, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU LPKF, Hauptversammlung (online)
10:00 DEU Deutsche Pfandbriefbank, Hauptversammlung (online)
10:00 LUX SAF Holland, Hauptversammlung (online)
11:00 DEU Amadeus Fire, Hauptversammlung (online)
11:00 DEU United Internet, Hauptversammlung (online)
11:00 DEU Compugroup Medical, Hauptversammlung (online)
11:00 DEU Encavis, Hauptversammlung (online)
13:00 DEU Mercedes-Benz Group AG, Strategy Update "The Economics of Desire"
15:00 DEU Zooplus, Hauptversammlung (online)
19:00 DEU Telefonica Deutschland, Hauptversammlung (online)
22:00 USA AT&T, Hauptversammlung
- Ohne genaue Zeitangabe
FRA: Vallourec, Q1-Zahlen
USA: Applied Materials, Q2-Zahlen
USA: Palo Alto Networks, Q3-Zahlen
Termine Konjunktur
01:50 JPN Kernrate Maschinenaufträge 03/22
06:30 NLD Arbeitslosenquote 04/22
08:00 DEU Destatis: Elektroautos in Deutschland: Produktion, Aussenhandel,
Fahrzeugbestand, Jahr 2021
10:00 EUR EZB Leistungsbilanz 03/22
13:30 EUR EZB Sitzungsprotokoll 14.4.22
14:30 USA Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
14:30 USA Philadelphia Fed Index 05/22
16:00 USA Wiederverkäufe Häuser 04/22
16:00 USA Frühindikator 04/22

(Quelle: AWP)

Ausblick Zinsen und Devisen

Der Euro hat im Nachgang der US-Inflationszahlen vom vergangenen Mittwoch doch noch stärker nachgegeben. Die Teuerung war im April stärker ausgefallen als erwartet. Nur einen Tag später rutschte der Euro deutlich auf weniger als 1,04 $ ab. Diese Woche halfen dagegen erste Äusserungen, die eine Zinserhöhung im Euroraum von 0,50 Prozentpunkten im Juli ins Spiel brachten, der Währung wieder auf die Beine. Aktuell notiert sie bei rund 1,05 €.

Dies zeigt, dass der Euro derzeit doch wieder stärker vor allem von den Aussichten auf die Geldpolitik in den USA und im Euroraum getrieben wird statt vom Konjunkturausblick. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sagte diese Woche in einem Fernsehinterview, er würde zwar eine Leitzinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte vorziehen.

Der Währungshüter schränkte jedoch seine Aussage ein, wenn neue Daten in den nächsten Monaten eine Verbreiterung oder «Akkumulation» der Inflation andeuten würden: «Wenn das der Fall ist, darf auch eine stärkere Erhöhung nicht ausgeschlossen werden.»

Während die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) demnächst also über das richtige Tempo der Zinserhöhungen streiten werden, zeigt sich am Anleihenmarkt, dass schon viel vorweggenommen sein dürfte. So sind die einjährigen Zinsen in neun Jahren bereits auf 2% gestiegen, wie Terminkurse zeigen (Tagesgeldswaps, OIS).

Dies entspricht der oberen Spanne dessen, was verschiedene Mitglieder im EZB-Rat als neutrale Zinsen ansehen. Dies könnte bedeuten, dass die Renditen von Staatsanleihen kaum noch grosse Sprünge machen werden. Selbst wenn die Notenbanken ihre Geldpolitik schneller straffen: Das gilt auch für die Schweiz, wo die Hypozinsen vor allem von Renditen der «Eidgenossen» bestimmt werden.