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CS: Chinas Wachstum stockt - Schweizer BIP-Prognose zurückgestuft

(Zusammenfassung)

Zürich (awp) - Die Ökonomen der Credit Suisse (CS) senken ihre Prognose für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP). Neu rechnet die Bank 2019 mit einem Wachstum um 1,5 Prozent (alt 1,7%). Als Hauptgrund dafür nennt sie die schwächelnde Wirtschaft Chinas.

Stockt Chinas Getriebe, trifft es den globalen Wirtschaftsmotor. Daher kommt die Anpassung der Prognose für das Schweizer Wirtschaftswachstum nicht überraschend.

"China steuert rund einen Drittel zum weltweiten Wachstum bei", sagte Oliver Adler, CS-Chefökonom Schweiz, am Dienstag vor den Medien in Zürich. Der Handelskonflikt mit den USA belaste Chinas Wachstum zwar, sei aber nicht das Hauptproblem.

Weltwirtschaft wächst langsamer

Die CS rechnet für 2019 mit einer BIP-Zunahme im Reich der Mitte um 6,2 Prozent, was die tiefste Steigerungsrate seit 1990 darstellen würde. Global erwarte die Bank ein Wachstum um 2,8 Prozent. Und der Handelskonflikt zwischen China und den USA könnte zu weiteren Konjunkturrückschlägen führen. Die CS-Ökonomen gehen aber davon aus, dass sich die beiden Länder im Laufe der nächsten Wochen oder Monate auf einen Deal einigen werden.

Das garantiere aber nicht, dass wirtschaftliche Abkühlung in China rasch ein Ende finden wird, warnte Adler. Denn Chinas Wachstum sei in den vergangenen Jahren grösstenteils dank eines massiven Aufbaus von Staatsschulden zustande gekommen. "Dies hat nun eine Kreditverknappung zur Folge, was die Hauptursache für das langsamere Wachstum Chinas ist", führte der Volkswirt aus.

China fünftwichtigster Absatzmarkt

China ist ein bedeutender Absatzmarkt für die Schweiz. 2018 gingen 5 Prozent der Schweizer Exporte in das Land. Dies entspricht einem Handelsvolumen von rund 12 Milliarden Franken. Wird Honkong dazugezählt, erhöht sich dieser Anteil auf knapp 8 Prozent.

"Dieser Wert ist seit der Finanzkrise stabil", sagte Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse Schweiz. China sei somit der fünftwichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Exportindustrie. Der Abstand zum Spitzenreiter Deutschland ist aber weiterhin beträchtlich: Das Exportvolumen ins Nachbarland ist beinahe viermal so gross.

Trotzdem würden konjunktursensitive Industrien wie Maschinen, Elektro, Metall, Uhren sowie Automobil negativ reagieren, sollte Chinas Wirtschaft nicht mehr so geschmiert laufen. Werde - entgegen den Erwartungen - keine Lösung beim Handelskonflikt gefunden, könnten auch die Exporte von nicht konjunktursensitiven Branchen in der Schweiz einbrechen.

Maurer denkt konkret an Pharma, Chemie oder Medizintechnik. "Diese drei Industrien machen rund die Hälfte aller Schweizer Exporte nach China aus", sagte Maurer.

CS vergleichsweise zuversichtlich

Im Vergleich zu anderen Instituten bleibt die Credit Suisse mit ihrer Prognose für die Schweiz zuversichtlich. Die UBS rechnet etwa mit nur 0,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr, das Staatssekretariat für Wirtschaft mit 1,1 Prozent.

"Die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt und die erstmals seit sechs Jahren wieder leicht stärkere Zuwanderung werden den Konsum ankurbeln", verteidigt Maurer seine Vorhersage. Der steigende Konsum werde aber nicht ganz ausreichen, um die Exportschwäche zu kompensieren.

sch/ra