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Aktien Schweiz: Zins-Ängste drücken SMI unter 10'600 Punkte

Zürich (awp) - Am Schweizer Aktienmarkt machen sich am Dienstag die Sorgen um die jüngsten Bewegungen an den Anleihemärkten bemerkbar. Steigende Zinsen waren schon an den vergangenen Handelstagen eines der zentralen Themen und überschatten laut Händlern auch aktuell einmal mehr das Marktgeschehen. Immerhin habe auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde am gestrigen Montag deutlich gemacht, dass die Wette auf steigende Marktzinsen nicht ohne Risiken sei. Lagarde erklärte, die EZB verfolge die Entwicklung der langfristigen Anleihezinsen genau.

Weitere Händler sprechen von einer taktischen Korrektur, die einige Tage anhalten und den Markt zwischen 3 und 5 Prozent kosten dürfte. Darüber hinaus kämen einige Kryptowährungen gerade verstärkt unter Druck, was ebenfalls auf die Märkt ausstrahlen könnte. Im Zusammenhang mit den jüngsten Zinsentwicklungen dürfte daher der Fed-Präsident Jerome Powell mit Spannung erwartet werden, wenn er im Tagesverlauf seine halbjährliche Anhörung vor einem Senatsausschuss abhalten wird. Händler meinen, Powell dürfte letztlich die Marktrichtung massgeblich beeinflussen, nachdem Janet Yellen am Montag die Börsianer verschreckt hatte. Sie drängt offenbar auf höhere Unternehmenssteuern und eine Anhebung der Kapitalerträge, was beides eine direkte Bedrohung für die Renditen der Aktienanleger darstellt.

Der SMI verliert gegen 11.10 Uhr 1,15 Prozent auf 10'574,61 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fällt um 1,44 Prozent auf 1'704,01 und der umfassende SPI um 1,34 Prozent auf 13'213,16 Zähler. Von den 30 SLI-Werten fallen alle bis auf CS und Swiss Re zurück.

Dass sich die Aktien der CS (+0,7%) so klar gegen das insgesamt schwache Marktumfeld stemmen, verdanken sie den zahlreichen positiven Analystenkommentaren. Gleich vier Experten haben die Daumen für die Grossbank gehoben. Die Experten von Barclays haben aber auch noch das Rating auf "Overweight" erhöht. Die Bank habe am asiatischen Markt bereits heute einen "signifikanten" Anteil und die zuständigen Analysten rechnen hier mit Rückenwind, was die Erträge anbelangt.

Neben der CS notieren zwar nur die Swiss Re (+0,5%) im Plus, mit Abgaben zwischen 0,4 und 0,7 Prozent halten sich aber auch die Swiss Life, UBS und Zurich als weitere Vertreter der Finanzbranche etwas besser als der Gesamtmarkt. Steigende Anleiherenditen bedeuteten bessere Margen und mehr Ertragspotenzial.

Einen regelrechten Kurssturz erleben dagegen die Logitech-Aktien (-7,5%). Zuvor waren die Titel gar um mehr als 9 Prozent abgesackt. AMS folgen mit -3,4 Prozent in einigem Abstand. Händler machen dafür einerseits die schwachen US-Vorgaben verantwortlich. Die hohe Bewertung war am Montag speziell den wachstumsstarken Technologie-Aktien zum Verhängnis geworden. Anleger seien angesichts der anziehenden Inflationserwartungen und steigender Zinsen aus jenen Aktien ausgestiegen, die zuletzt am besten gelaufen seien.

Aber auch sonst stehen etwa mit Straumann (-3,0%), Schindler (-2,9%) oder auch ABB (-2,8%) Werte auf den Verkaufslisten, die seit Jahresbeginn eine gute Performance abgeliefert haben.

Kursverluste zwischen 1,4 und 0,8 Prozent bei den drei Schwergewichten Roche, Novartis und Nestlé erweisen sich als zusätzliche Belastungsfaktoren.

Der Nachrichtenfluss wird unterdessen vor allem durch die hinteren Reihen geprägt. Während sich PSP (+0,3%) oder auch Novavest (+3,2%) nach Zahlen dem Abwärtstrend widersetzen, brechen SIG Combibloc nach Zahlen um 8,4% ein.

Daneben sorgen auch im breiten Markt Analystenkommentare bei Forbo (+3,4%) oder V-Zug (-4,7%) für deutlichere Ausschläge.

hr/rw