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Aktien Schweiz: Klar tiefer - Gewinnmitnahmen drücken SMI unter 11'000 Punkte

Zürich (awp) - Nach dem dynamischen Wochenauftakt hat der Schweizer Aktienmarkt am Dienstag den Rückwärtsgang eingelegt und deutlich nachgegeben. Händler begründeten die fallenden Kurse unter anderem mit Gewinnmitnahmen. Nachdem nun die meisten Unternehmen gute Ergebnisse vorgelegt hätten und die Konjunkturzahlen rosige Zeiten für 2021 signalisierten, fragten sich die Anleger, wie es 2022 weitergeht. Zudem habe der Monat Mai begonnen, in dem die Nachrichtenlage dünner werde und in dem sich Investoren gerne an die Seitenlinie zurückzögen, um ihre bisherigen Gewinne zu sichern, hiess es am Markt.

"Wir sind in einer schwierigen Lage", sagte ein Händler. Parallel zu den Impffortschritten und der erwarteten massiven Erholung der Wirtschaft nähmen auch die Inflationserwartungen zu, was die Notenbanken früher oder später zum Handeln zwingen könnte. "Die anziehende Inflation hängt wie ein Damoklesschwert über den Börsen", sagte ein Händler. Es sei den Notenbanken nur teilweise gelungen, die Investoren zu beruhigen. Vorübergehend sorgte laut Händlern auch eine Schlagzeile, wonach ein chinesisches Militärflugzeug in der von Taiwan definierten Luftraumüberwachungszone gesichtet worden sei, für etwas mehr Nervosität am Markt. Das Angstbarometer der Schweizer Börse legte denn auch mehr als zehn Prozent zu.

Der SMI schloss um 1,33 Prozent tiefer mit 10'970,93 Punkten und damit erstmals seit dem 19. März wieder unter 11'000 Punkten. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, fiel um 1,41 Prozent auf 1780,25 Punkte und der breite SPI um 1,39 Prozent auf 14'085,50 Zähler. Im SLI standen 27 Verlierern drei Gewinner gegenüber.

Im Fokus waren die Aktien der Unternehmen, die ihre Bilanzen vorgelegt hatten. Dabei fielen AMS (+1,1%) positiv auf. Allerdings schmolzen die Gewinne im Verlauf immer mehr ab. Der Sensorenhersteller hatte gute Zahlen vorgelegt und die Titel konnten daher zunächst kräftig zulegen und verlorenen Boden gutmachen. Analysten sowie Händler taten sich aber schwer mit der Einschätzung der Zahlen. Zudem habe AMS die Bedenken um die Aufträge von Apple nicht ganz ausräumen können, sagte ein Händler.

Ein Profiteur guter Zahlen war auch Geberit (+0,6%), wobei auch hier die Höchstkurse nicht gehalten werden konnten. Dabei ist das Unternehmen im ersten Quartal 2021 so stark gewachsen wie schon lange nicht mehr und hat auch sämtliche Prognosen übertroffen. Händler bemängelten, dass die Guidance nicht angehoben wurde. "Ein vorsichtiger Outlook reicht halt nicht mehr", sagte ein Händler.

Etwas höher schlossen auch Logitech (+0,3%), während Swatch (-0,1%) zuletzt leicht ins Minus rutschten.

Bei Adecco (-5,1%) kam es zu starken Gewinnmitnahmen. Dabei hat der Personalvermittler im 1. Quartal wieder zu Wachstum zurückgefunden. Der dritte Blue Chip mit Zahlen litt auch darunter, dass der Ausblick mit Fragezeichen behaftet gewesen sei, hiess es am Markt.

Kräftige Abschläge verbuchten zudem finanznahe Werte wie der Banksoftwarehersteller Temenos (-3,9%), die Banken UBS (-2,8%) und Julius Bär (-2,3%) oder die Versicherer Zurich und Swiss Re (je -1,8%). CS büssten gar 3,3 Prozent ein. Die Aktien wurden allerdings ex-Dividende gehandelt.

Gemieden wurden auch Gesundheitswerte. Lonza sackten nach dem jüngsten Anstieg um 2,3 Prozent ab. Auch Roche (-1,5%) und Novartis (-0,7%) gaben nach. Mit Nestlé (-1,1%) belastete ein weiteres Schwergewicht den Markt. Alcon büssten vor dem nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalsbericht 2,1 Prozent ein.

Zykliker wie ABB (-1,5%), Sika (-1,1%) und Kühne+Nagel (-0,9%) schlossen ebenfalls tiefer. Clariant (-0,2%) und LafargeHolcim (-0,4%) hielten sich vergleichsweise gut.

Im breiten Markt gaben Oerlikon (-6,9%) und SIG Combibloc (-2,5%) nach Vorlage des Geschäftsberichts nach.

Derweil dreht sich das IPO-Karussell weiter. Der Luftfahrtzulieferer Montana Aerospace hat seinen IPO-Termin für den 12. Mai festgelegt. Ausserdem hat das Unternehmen Trifork angekündigt, eine Doppelkotierung in Kopenhagen und an der SIX anzustreben.

pre/kw