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Presseschau vom Wochenende 39 (25./26. September)

(Ergänzung mit Kühne+Nagel)

Zürich (awp/sda) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:

CREDIT SUISSE: Der neue Credit Suisse-Verwaltungsratspräsident, Antonio Horta-Osorio, hat Spekulationen über einen Wechsel an der Spitze der Grossbank erneut zurückgewiesen. Er wolle Konzernchef Thomas Gottstein nicht auswechseln, sagte Horta-Osorio in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". Auch habe er keine Pläne, selber die operative Führung zu übernehmen. "Ich kann nur mit Bestimmtheit sagen, dass Thomas Gottstein das volle Vertrauen des Verwaltungsrates hat. (...) Er ist der richtige Mann für die strategische Neuausrichtung der Bank." Gottstein seinerseits sagte im "SonntagsBlick": "Wir haben die Bilanz Zeile für Zeile und Division für Division analysiert. Mit Greensill oder Archegos vergleichbare Fälle haben wir keine gefunden", sagte Gottstein weiter. Dank der Risikoanalyse und den vorgenommenen personellen Wechseln stehe die Bank heute besser da als zuvor. ("SonntagsBlick" s. separate Meldung)

KÜHNE+NAGEL: Die Engpässe im globalen Lieferverkehr werden nach Einschätzung eines Logistikriesen noch weit bis in das nächste Jahr andauern. Mindestens bis zum chinesischen Neujahrsfest Anfang Februar könne sich das Risiko verstopfter Häfen und Terminals noch erhöhen, sagte der Chef des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, Detlef Trefzger, dem Magazin "Der Spiegel". Auch danach seien die Engpässe wohl noch nicht überwunden, erst im Sommer oder Herbst 2022 sei wohl mit einer Normalisierung der Lage zu rechnen. Damit das so kommt, müsse aber die Impfrate steigen und Häfen müssten effizienter werden. Verbraucher werden die angespannte Lage bei Warenbestellungen nicht immer zu spüren bekommen, da viele Einzelhändler ihr Lager nach den Worten von Trefzger deutlich stärker gefüllt haben als noch vor zwei Jahren. Wer aber nichtsaisonale Ware bestelle, wie etwa ein Elektrofahrrad als Weihnachtsgeschenk, der müsse sich wohl auf längere Wartezeiten einstellen. ("Der Spiegel" s. separate Meldung)

GLENCORE: Beim Rohstoff- und Bergbaukonzern Glencore ist auch die Abspaltung des umstrittenen Kohlegeschäfts eine Option. "Ein solcher Schritt wird aber nur unternommen, wenn er von den Aktionären gewünscht wird", sagte der neue Konzernchef Gary Nagle in einem Interview mit "Schweiz am Wochenende" vom Samstag. "Wenn etwa eine bedeutende Anzahl von Investoren dem Beispiel von Norges folgen, dann werden wir diese Option sicher genauer prüfen müssen", sagte Nagle. "Der Druck auf Firmen wächst, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Das geht jedoch nicht über Nacht", sagte Nagle. Es gebe viele Betreiber aus der ganzen Welt, einschliesslich China, Indien oder Russland, die in Kohle investieren, neue Minen bauen oder die Produktion ausweiten wollten, wodurch die Emissionen ansteigen würden. "Auch deshalb halten wir es für die bessere Strategie, das Kohlegeschäft langsam runterzufahren. Aber natürlich hören wir auch hier genau hin, was die Aktionäre von dieser Strategie halten. Wünschen sie trotz allem einen rascheren Kohleausstieg, werden wir das sicher berücksichtigen", sagte der 46-jährige Südafrikaner. ("Schweiz am Wochenende" S. 10f. s. separate Meldung)

MEDIZINALTECHNIK: Mit den von der EU nicht mehr anerkannten Schweizer Medizinalprodukten muss sich - auf Antrag der Schweiz - die zuständige Schlichtungsstelle befassen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte der "SonntagsZeitung", dass die Schweiz die Einberufung des gemischten Ausschusses beantragt habe. Ziel ist, dass die EU die meisten Produktezertifikate weiterhin anerkennt. Das Seco stützt sich laut Zeitungsbericht auf Gutachten des europäischen Medtech-Branchenverbandes, die das Vorgehen von Brüssel als nicht rechtens bezeichnen. Es verstosse gegen EU-Recht, WTO-Recht und gegen das spezifische Abkommen über technische Handelshemmnisse im Medtech-Bereich. Setzt sich die Schweiz durch, könnte sich dies auf Drohungen der EU auswirken, auch andere Verträge nicht aufzudatieren, so lange es mit der Schweiz kein Rahmenabkommen gebe. Die Medtech-Branche ist stark auf Exporte ausgerichtet und leidet unter dem politischen Streit um das gescheiterte Rahmenabkommen. ("SonntagsZeitung" S. 9)

UNTERNEHMENSSTEUERN: Nach der Einigung von rund 130 Staaten auf einen globalen Mindeststeuersatz von 15 Prozent für weltweit tätige Unternehmen fordern die Verbände Economiesuisse und Swissholdings staatliche Beihilfen und Subventionen, um die höheren Steuern zu kompensieren. Denn die 15 Prozent Mindeststeuern seien mehr als viele Kantone verlangen, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Mit einer "Mindestbesteuerung von Unternehmensgewinnen" werde der Steuern-Standortvorteil der Schweiz ganz oder teilweise wegfallen, schreiben die beiden Verbände in einem Arbeitspapier ans Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Vertreter der Linken kommentieren die Forderungen als "unhaltbare Versuche, eine gerechtere Besteuerung auszuhebeln". Staatliche Subventionen an Unternehmen, die Gewinne schrieben, seien ein No-Go, sagte SP-Fraktionschef Roger Nordmann. Das SIF wollte sich nicht zur Frage äussern, welchen Status das Papier der Verbände in der Bundesverwaltung hat. ("SonntagsZeitung" S. 7)

AIRBNB: Mehrere Schweizer Städte gehen gegen den Wildwuchs der Wohnungsvermietplattform Airbnb vor. Regulierungen sollen die Vermietungen einschränken, um zu verhindern, dass Wohnraum für die Einheimischen verloren geht, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. So gelte in Interlaken eine Mindestaufenthaltsdauer von drei Nächten für eine Wohnungsvermietung. Eine kürzere Untervermietung sei damit nicht mehr möglich. Auch in Luzern seien politische Bestrebungen in Gang, Airbnb einzuschränken. Eine Initiative von SP, Mieterverband und Hauseigentümerverband Casafair verlangt, dass Wohnungen künftig nur noch höchstens 90 Tage pro Jahr über Plattformen wie Airbnb vermietet werden dürfen. Und in Bern steht eine Abstimmung an, die das gewerbsmässige Vermieten von Gebäudeteilen in der Altstadt regelt, sofern eine Wohnnutzung vorgeschrieben ist. Und in der Stadt Zürich wird die Umwandlung von Wohnliegenschaften in Airbnb-Angebote künftig verboten. ("NZZ am Sonntag" S. 15)

POST: Angesichts der Firmen-Einkaufstour der Post drohen Konkurrenten von Post-Töchtern, den "gelben Riesen" vor der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) zu verklagen: Nach der Übernahme der Cloudfirma Klara durch die Post habe Klara-Konkurrent Abacus ein Gutachten erstellen lassen das zeige, dass die Post mit der Übernahme Grenzen überschritten habe, schreibt die "SonntagsZeitung". Abacus-Chef Claudio Hintermann sagte der SoZ: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir uns an die Wettbewerbskommission wenden werden." In einem anderen Fall - jenem von Swissmade Direct - geht es nicht um eine Übernahme. Die Post habe einen ähnlichen Webshop auf die Beine gestellt wie Swissmade Direct. Mittlerweile sei der Shop der Post inaktiv und werde nicht weiterbetrieben, heisst es von der Post. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob die Post Grenzen überschritten hat, als sie einen privaten Anbieter konkurrenzierte. Laut Geschäftsführer Yves Beljean hat seine Firma am 3. September eine Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde Postcom eingegeben. Und: "Wir sind bereit, auch an die Wettbewerbskommission zu gelangen." ("SonntagsZeitung" S. 41)

CORONA I: Politiker von SVP, SP und Grünen wollen den Bundesrat dazu verpflichten, die Covid-19-Gratistests beizubehalten. Kommende Woche wollen sie eine parlamentarische Initiative im Eilverfahren durch beide Kammern bringen. Das berichtet die "SonntagsZeitung". Beteiligte aus den drei Parteien hätten dies bestätigt. Bringen sie das Anliegen durch, müsste der Bundesrat den Willen des Parlaments umsetzen. Am Freitag will die Landesregierung entscheiden, ob und ab wann die für das Covid-Zertifikat nötigen Tests künftig etwas kosten sollen. SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi wollte zunächst eine ausserordentliche Session für den Entscheid über die Testkosten fordern, ist nun aber davon abgekommen, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Auch Strafrechtsexperten kritisierten gegenüber der "SonntagsZeitung" die kostenpflichtigen Tests für den Erhalt des Covid-Zertifikats. ("SonntagsZeitung" S. 4)

CORONA II: Ab Mitte Oktober wird der Zugang zu gepoolten und damit kostengünstigen PCR-Speicheltests einfacher. Je nach Vorgaben des zuständigen Kantons können auch Zertifikate ausgestellt werden. Die Plattform "Together We Test" der Hirslanden-Gruppe organisiert im Auftrag des Bundes landesweit Gratis-PCR-Pooltests für Schulen, Betriebe und Gesundheitseinrichtungen, wie der "SonntagsBlick" schreibt. Für Einzelpersonen kosten die Tests zwar etwas, aber rund fünf Mal weniger als PCR-Einzeltests, die sich auf 160 Franken oder mehr belaufen, wie Gieri Cathomas, der Leiter von "Together We Test", im Interview mit dem "SonntagsBlick" sagt. Die Einzelproben können in Apotheken, beim Arzt oder bei der Spitex abgegeben werden. Sie werden zu Pools zusammengemischt und an Labors weitergeschickt, die mit der Plattform zusammenarbeiten. Einige Kantone beteiligen sich derzeit nicht an repetitiven Tests. Diese Lücke würde mit der nationalen Lösung geschlossen, sagte Cathomas. ("SonntagsBlick")

CORONA III: Die Kantone bereiten sich auf die dritte Impfung gegen Covid-19 vor, die so genannte Booster-Impfung. Das bestätigte Michael Jordi, Generalsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) der "NZZ am Sonntag". Im Fokus stünden die Pflegeheime. Auf die Booster-Impfung pocht Christian Streit, Geschäftsführer des Verbandes Senesuisse, dem 400 Heime angeschlossen sind. Die dritte Impfung gegen Covid-19 müsse rechtzeitig verabreicht werden und nicht erst im Winter, wenn neben Covid-19 auch die Grippe wieder Thema sei. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) steht zurzeit noch nicht fest, ob und für wen eine Booster-Impfung allenfalls nötig wäre. Die für die Auffrischung nötigen Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna stünden indes zur Verfügung. Zugelassen sind dritte Impfungen derzeit lediglich für Menschen mit Immunsuppression. Zahlen des BAG zeigen, dass die Zahl der über 80-Jährigen, die im Zusammenhang mit Covid-19 in Spitäler eingewiesen worden sind, in den letzten Wochen gestiegen ist. ("NZZ am Sonntag" S. 9)

jb