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Presseschau vom Wochenende 4 (22./23. Januar)

Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:

CS: Der frühere Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel übt scharfe Kritik am gegenwärtigen Management der Grossbank. "Wenn ein Unternehmen über Jahre so viele Krisen erlebt, dann liegt der Grund im schlechten Management", sagte er einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Weil die Führung nicht funktionierte, hätten viele hervorragende Manager die Bank verlassen. Dies habe auch zu den Milliardenverlusten im letzten Jahr geführt. "Beide Ereignisse, Archegos und Greensill, gehören in die Kategorie Anfängerfehler." Die Aktionäre der Bank müssten mehr Druck auf die Führung ausüben, erklärte Grübel, insbesondere bei der Besetzung des Verwaltungsrates. Trotz der Schwäche der Bank glaubt Grübel nicht an eine Übernahme. (NZZaS, S. 26; siehe auch separate Meldung)

SIX: Die Zahl der Geldautomaten in der Schweiz dürfte dramatisch sinken. So lautet die Prognose von Jos Dijsselhof, Chef der SIX, die fast alle Bankomaten in der Schweiz betreibt. "In fünf Jahren wird jeder zweite Bankomat verschwunden sein", sagte er im Interview mit dem "SonntagsBlick". Das Monitoring der SIX für die Banken zeige, dass viele Geldautomaten ein Verlustgeschäft seien. In der Schweiz gebe es heute rund 7000 Bankomaten - eindeutig zu viele, so der Manager. Nach einem starken Einbruch der Bargeldbezüge zu Beginn der Pandemie um teils bis zu 50 Prozent stabilisierten sich demnach diese wieder, allerdings auf tieferem Niveau als vor Covid. "Der Trend ist eindeutig: Bargeld hat einen schweren Stand." Die Folge: Nicht jede Bank werde in Zukunft ihre eigenen Bankomaten haben. (SonntagsBlick; siehe auch separate Meldung)

CORONA I: Gesundheitsminister Alain Berset hat in einem Interview die mögliche baldige Abschaffung der Covid-Zertifikatspflicht im Inland in Aussicht gestellt. "Die Zeiten des Zertifikats scheinen sich dem Ende zu nähern", sagte Berset der Zeitung "Schweiz am Wochenende". Bei guter Entwicklung der Corona-Lage könne der Bundesrat "in den nächsten Wochen die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung ändern und die Quarantäne aufheben", sagte der Bundesrat weiter. Die Landesregierung hatte zuletzt entschieden, dass die Homeoffice-Pflicht und Quarantäneregeln vorerst bis Ende Februar gelten. Die übrigen Massnahmen sind bis mindestens Ende März in Kraft. Der SP-Bundesrat äussert sich im Interview verhalten optimistisch zur Lage. "Ich glaube, dass wir auf dem Weg der Besserung sind, aber das Virus hat sich schon mehrmals als unberechenbar erwiesen." (SaW, S. 1, 10, 11; siehe auch separate Meldung)

CORONA II: Eine breite Allianz aus Schweizerischem Gewerbeverband, weiteren Branchenverbänden und bürgerlichen Politikern fordert ein Ende der Corona-Massnahmen. Sie wollen am Dienstag den Bundesrat dazu auffordern, bereits im Februar die meisten Pandemie-Einschränkungen wie die Zertifikatspflicht oder die Personenobergrenzen fallen zu lassen, wie die "NZZ am Sonntag" unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen berichtet. Bei einem gemeinsamen Auftritt der Allianz soll unter anderem ein sogenannter "Freedom Day" (Freiheitstag) nach dem Vorbild anderer Länder ausgerufen werden. Die Massnahmenverlängerung des Bundesrats sei für das Gewerbe nicht akzeptabel, hiess es von der Allianz. (NZZaS, S.1, 10-12)

CORONA III: Der Epidemiologe Marcel Tanner macht in einem Interview Hoffnung auf einen Sommer ohne staatlich verordnete Einschränkungen. Nach Meinung des ehemaligen Corona-Taskforce-Mitgliedes des Bundes, sind nach der Omikron-Welle flächendeckende Massnahmen wie Maskenpflicht und 2G-Zertifikatspflicht nicht mehr nötig, "wenn wir uns weiterhin genügend impfen und boostern", wie er der "SonntagsZeitung" sagte. Voraussetzung dafür sei, dass die Gesellschaft und jeder einzelne Verantwortung übernehme. Das Virus werde nicht einfach verschwinden, aber es dürfte mit freiwilligen Massnahmen beherrschbar sein und könnte so eingedämmt werden. (SoZ, S. 1,2; siehe auch separate Meldung)

CORONA IV: Wegen Omikron sind in dieser Wintersaison massenweise Skilager abgesagt worden - rund jedes dritte von 360, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Allein im Dezember und Januar waren bei der Schweizer Schneesportinitiative Go-Snow, dem grössten Organisator von Skilagern in der Schweiz, über 100 Klassenlager gebucht, von denen gar 80 Prozent wurden annulliert, wie Geschäftsführer Olé Rauch dem Blatt sagte. Bisher rieten das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und das Bundesamt für Sport (Baspo) von Lagern ausdrücklich ab. Ab Februar gibt der Bund für Schullager "in kleinen Gruppen von maximal zwei Klassen" grünes Licht. (SoZ, S. 4)

FORSCHUNGSSTANDORT SCHWEIZ: Die Präsidenten von ETH-Rat, der Hochschul-Rektorenkonferenz Swissuniversities und dem Branchenverband Scienceindustries sorgen sich um den Forschungsstandort Schweiz. Deswegen haben sie sich in einer dringenden Resolution an den Bundesrat gewandt, weil sie erhebliche Nachteile befürchten, nachdem die Schweiz 2021 als Vollmitglied aus dem europäischen Forschungsprogramm Horizon ausgeschlossen wurde. Die Unterzeichner der Resolution forderten eine Vollassoziierung bis Ende 2022 und eine Innovationsoffensive vom Bund. Die Vertreter aus Forschung und Industrie berichteten von entmachteten Schweizer Wissenschaftlern, von diskriminierten Studenten, vom Ausschluss aus Forschungsprojekten und von Rekrutierungsproblemen für Schweizer Universitäten. (SonntagsBlick; siehe auch separate Meldung)

AKW-STREIT: Bei der FDP ist ein Streit über den Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) entbrannt. Die FDP-Frauen wehren sich dagegen, dass die Parteispitze das Verbot für den Bau neuer AKW aufheben will, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. "Sich jetzt für den Bau neuer AKW auszusprechen, sendet ein falsches und irreführendes Signal aus", sagte die Präsidentin der FDP-Frauen, Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher (SG), der Zeitung. "Es torpediert den Effort für den Ausbau der erneuerbaren Energien." Gleichzeitig erklärt Alpiq-Chefin Antje Kanngiesser gegenüber der "SonntagsZeitung", dass die derzeitigen AKW-Neubauprojekte in Europa die Problematik klar aufzeigten. "Diese lehren uns, dass sie zu lange dauern, viel teurer sind als ursprünglich geplant und folglich nicht rentieren." Ohne massive staatliche Hilfe werde sich kein Unternehmen und kein Investor finden, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen. Eine staatliche Garantie verpflichte die Kinder und Kindeskinder der heutigen Steuerzahler. (NZZaS, S. 1, 13; SoZ. S. 42)

SWISSCOM/POST: Der Telekomanbieter und die Schweizerische Post stehen sich zunehmend als Konkurrenten gegenüber. Wie die "SonntagsZeitung" zusammenfasst, kommen sich die beiden Konzerne etwa bei digitalen Nachweisen ins Gehege. So hatte Swisscom unlängst in diesem Bereich eine Allianz mit Orell Füssli angekündigt. Die Post ist mit der Swiss ID in ein ähnliches Geschäftsfeld vorgestossen. Die Firma arbeitet vor allem an einer sicheren elektronischen Identität, bietet aber auch digitale Signaturen an. Und auch bei Clouddiensten für Geschäftskunden stehen die zwei Bundesbetriebe inzwischen in Konkurrenz zueinander. Wie das Blatt weiter schreibt, ist dies vor allem dem zunehmenden Druck geschuldet, den beide Konzerne in ihrem Kerngeschäft spüren. Allerdings rege sich mittlerweile Widerstand aus der Privatwirtschaft. (SaZ, S. 44)

MANOR: Die unrühmlichen Schlagzeilen um Tennisass Novak Djokovic torpedieren die Pläne der Genfer Firma Maus Frères, der die Manor-Warenhäuser und die Sport-Lifestyle-Marke Lacoste gehören. Der serbische Tennis-Star ist seit 2017 das mit Abstand wichtigste Aushängeschild der Sport-Lifestyle-Marke und sein 9-Millionen-US-Dollar-Jahresvertrag ist kürzlich bis 2025 verlängert worden. Mit den jüngsten Schlagzeilen rund um Djokovic kommt der Plan der Familie, zur Fashion-Dynastie zu werden, unter Druck. In den sozialen Netzwerken wird Lacoste wegen der Zusammenarbeit mit Djokovic derzeit massiv angegriffen. Zwar seien Marken resilienter als oftmals angenommen, sagt Colin Fernando, Partner bei der internationalen Unternehmensberatung Brand Trust gegenüber der "NZZ am Sonntag". Aber: "Wenn eine Affäre länger dauert, dann wird das für sie zum Problem." Nachdem Lacoste erst versucht hatte, die Affäre auszusitzen, teilte die Marke letzten Montag mit, dass man mit Djokovic das Gespräch suche. (NZZaS, S. 23)

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