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Aktien Frankfurt: Dax dämmt Verluste ein - Zinsängste bleiben

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag einen Grossteil seiner klaren Anfangsverluste im Handelsverlauf wettgemacht. Im frühen Geschäft hatten die Kurse erheblich unter Zinsängsten gelitten. Der Dax notierte zuletzt 0,54 Prozent tiefer bei 15 376,35 Punkten, nachdem er im frühen Geschäft um bis zu 1,7 Prozent abgesackt war. Der MDax verlor zuletzt 0,43 Prozent auf 32 990,74 Zähler.

Angesichts der hohen Inflationsrate und der guten Lage am Arbeitsmarkt signalisierte die US-Notenbank (Fed) eine baldige Zinserhöhung, der weitere folgen sollen - womöglich mehr als erwartet. Damit machte sie den Weg frei für die erste Anhebung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie. Zunächst bleibt der Zins in der extrem niedrigen Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Fed in jedem kommenden Quartal bis ins Jahr 2023 hinein einen weiteren Zinsschritt nach oben machen wird.

"Mit dem nun eingeleiteten Kurswechsel in der Geldpolitik dürften es die Aktienmärkte schwer haben, im laufenden Jahr weitere Hochs zu generieren", glaubt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets. Die Anleger hätten am Vorabend zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Fed als sicherer Liquiditätslieferant in den kommenden Monaten und Jahren wohl erst einmal wegfällt.

SAP-Aktien fielen im Zuge des weltweiten Ausverkaufs von Technologiewerten auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2021. Zudem belasteten Europas grössten Softwarehersteller Details des Ausblicks. Während die bestätigten Ziele für Umsatz und Betriebsergebnis im Rahmen der Erwartung lagen, enttäuschte die Prognose für den Free Cashflow. Die SAP-Papiere notierten als Dax-Schlusslicht zuletzt 7,0 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Die Aktien der Deutschen Bank reagierten mit einem Kursanstieg von 5,2 Prozent auf die Quartalszahlen des Geldhauses und die Zinssignale der Fed. Damit waren sie bester Dax-Wert. Die Deutsche Bank erzielte 2021 einen Milliardengewinn und fuhr das beste Ergebnis seit zehn Jahren ein. Entscheidend sei, dass es bei der Deutschen Bank in die richtige Richtung gehe, erklärte der bekannte Branchenanalyst Kian Abouhossein von JPMorgan in einer ersten Reaktion. Die Zahlen insgesamt wertete er als durchwachsen.

Mehr Optimismus beim mittelfristigen Gewinnausblick konnte die Aktionäre von Sartorius nicht überzeugen. Zudem dürfte das Wachstum im Jahr 2022 nach dem Corona-Boom nachlassen. Die Titel des Pharma- und Laborausrüsters fielen zuletzt um 2,3 Prozent. Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan lobt indes die vorläufigen Resultate und die Ziele für 2022.

Gestützt durch Kursgewinne von STMicro nach ihrem guten Ausblick stemmten sich auch Infineon-Aktien erfolgreich gegen die Tech-Schwäche. Während der Stoxx Europe 600 Technology auf das tiefste Niveau seit Mai 2021 zurückfiel, kletterten Infineon um gut 3 Prozent. STMicro sprangen gar um fast 6 Prozent an.

Die Software AG will nach einem Ergebnisrückgang im vergangenen Jahr operativ wieder zulegen. Das Umsatzwachstum soll sich beschleunigen und das operative Ergebnis soll wieder zulegen. Die Papiere der Darmstädter gewannen als MDax-Spitzenreiter 4,7 Prozent.

Die Anteilsscheine von Verbio kletterten als bester SDax-Wert um 7,7 Prozent aufwärts. Seit dem Rekordhoch im November bei 74,90 Euro hatten die Anteile des Biokraftstoff-Herstellers zuletzt 38 Prozent verloren. Nun gaben nochmals erhöhte Gewinnziele der Erholung weiteren Schub./edh/stk

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---