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Vincenz-Prozess: Angeklagte haben sich laut Staatsanwalt "enorm bereichert"

Zürich (awp/sda) - Ex-Raiffeisenchef Pierin Vincenz und dessen Geschäftskollege Beat Stocker hätten sich enorm bereichert und einen beträchtlichen Schaden angerichtet, sagte der plädierende Staatsanwalt am Donnerstag im Zürcher Volkshaus. Freiheitsstrafen von je sechs Jahren wäre deshalb angemessen.

Vincenz habe als Raiffeisenchef über die stärkere Stellung als Stocker verfügt, hielt der Staatsanwalt am dritten Verhandlungstag des "Monterprozesses" fest. Er habe andere Personen, die ihm vertrauten, überzeugen und so zu Transaktionen bewegen können. "Vincenz nutzte sein Vertrauen und seine Macht aus - dieser Missbrauch wiegt schwer."

Stocker habe zwar nicht über Vincenz' Macht verfügt, doch sei er das Gehirn gewesen. "Er hat das Doppelspiel zulasten der Privatkläger perfektioniert." Der Staatsanwalt sprach von einer "erheblichen kriminellen Energie".

"Ein wertloses Produkt"

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwochnachmittag und am Donnerstagvormittag in einem rund siebenstündigen Plädoyer ihre Anklage begründet. Sie wirft Vincenz und Stocker unter anderem Betrug und ungetreue Geschäftsbesorgung vor.

So sollen sie gezielt darauf hingewirkt und gedrängt haben, dass die von ihnen gelenkte Kreditkartenfirma Aduno unter anderem die Eurokaution übernahm. An letzterer sollen sich Vincenz und Stocker zuvor verdeckt beteiligt haben, um bei der Übernahme einen unrechtmässigen Gewinn einzustreichen.

Die Aduno habe durch die Übernahme einen Totalschaden erlitten, hielt der Staatsanwalt fest. Den Beschuldigten sei dabei klar gewesen, dass die Eurokaution "kein Potenzial für eine positive Entwicklung" habe. Es sei ein wertloses Produkt gewesen.

Fünf weitere Mitbeschuldigte sollen zu verschiedenen Zeitpunkten den beiden Hauptbeschuldigten Beihilfe geleistet haben. Für diese beantragte die Staatsanwaltschaft unterschiedliche Strafen, die von einer bedingten Geldstrafe bis zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren reichen.

Die Verhandlung geht am Nachmittag mit den Plädoyers der Privatkläger - die Raiffeisenbank und die frühere Aduno - weiter.