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Aktien Schweiz: Konjunktursorgen halten SMI unter Druck

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt nimmt am Donnerstag den Abwärtstrend wieder auf und gibt auf breiter Front nach. Die Stimmung sei angeschlagen. Angesichts der zunehmenden Rezessionssorgen verhielten sich die Anleger vorsichtig und bauten eher noch Positionen ab, sagt ein Händler. Eine Erholung sei kaum zu erwarten, solange die Anleger nach dem Motto "Sell the Rally vorgingen. Damit blieben die Märkte volatil. Die Sorgen würden durch die jüngsten Konjunkturzahlen wie die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone noch geschürt, habe sich doch die Stimmung in den Chefetagen merklich eingetrübt, sagt ein Händler. Zudem würden und auch die tieferen Ölpreise als Zeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung interpretiert.

Zudem hatte US-Notenbankchef Jerome Powell am Vortag die Anleger auch nicht beruhigen können. Er bezeichnete die US-Wirtschaft zwar als "sehr stark", und die Zinserhöhungen könnten weggesteckt werden. Aber eine Rezession könnte "sicherlich ein mögliches Resultat der strafferen Geldpolitik sein", so der Notenbank-Chef. Ein sogenanntes "Soft Landing", also ein Herauskommen aus der Lage ohne grössere Verwerfungen, sei eine Herausforderung.

Der SMI büsst bis um 11.20 Uhr 0,82 Prozent auf 10'442,18 Punkte ein. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fällt um 1,05 Prozent auf 1602,71 und der breite SPI um 0,82 Prozent auf 13'464,79 Zähler. Alle 30 SLI-Werte geben nach.

An der Spitze der Verlierer stehen die Aktien von Swiss Life (-3,5%), die den nun seit einigen Wochen andauernden Abwärtstrend fortsetzen. Händler verweisen dabei auch auf eine Studie der UBS, wonach sich die Zinserhöhung der SNB negativ auf den Immobilienbestand des Lebensversicherers auswirken könnte. Die Aktien der Mitbewerber Swiss Re (-1,5%) und Zurich (-1,3%) geben ebenfalls nach.

Bei den übrigen Finanztiteln büssen Julius Bär (-2,0%), CS (-2,0%) und UBS (-0,8%) klar an Wert ein. Händler erwähnen Konjunktursorgen, rückläufige Gebühren und sinkende Kommissionen im Wertschriftengeschäft.

Unter Druck stehen zudem viele zyklische Werte aus dem Bau- und Industriebereich wie Holcim (-2,6%), ABB (-1,2%), Schindler (-1,2%) und Geberit (-1,4%). Auch der Personalvermittler Adecco (-1,7%) dürfte eine Abschwächung der Konjunktur zu spüren bekommen, heisst es. Wachstumswerte wie Lonza (-2,0%), Straumann (-2,2%), Sonova (-0,9%) und AMS Osram (-1,5%) leiden zudem auch nach der heftigen Korrektur weiter unter Abgaben.

Die Papiere von Temenos (-0,2%) schlagen sich vergleichsweise gut. Schuld daran sind laut Händlern neu aufgekeimte Übernahmespekulationen. Am Vortag hiess es, die Abu Dhabi Investment Authority und das Canadian Pension Plan Investment Board Gespräche führten mit Investmentfirmen Gespräche über den Kauf des Softwarehauses. "Damit wird die Liste möglicher Käufer immer länger, aber ob die Übernahme wirklich kommt, muss sich erst weisen", sagt ein Händler. Es sei durchaus denkbar, dass der tiefe Aktienkurs das Interesse Dritter geweckt habe.

Die Schwergewichte Nestlé (-0,7%), Roche (-0,2%) und Novartis (-0,6%) halten sich etwas besser als der Gesamtmarkt. Bei Novartis könnte helfen, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Krebs-Kombinationstherapie Tafinlar plus Mekinist zugelassen hat. "Ausserdem sehen wir wieder mehr Geld, das in den als sicher geltenden Aktien parkiert wird", sagt ein Händler.

Auf den hinteren Rängen fallen Cosmo (+4,4% auf 45,95 Fr.) positiv auf. Credit Suisse hat die Bewertung für die Aktien des Pharmaunternehmens nach der Übernahme von Cassiopea mit "Outperform" und einem Kursziel von 64 Franken wieder aufgenommen.

Carlo Gavazzi steigen nach Zahlen um 3,2 Prozent. Dagegen verlieren Vetropack 2,4 Prozent. Der Bau eines neuen Werks in Italien verzögert sich wegen fehlenden Baumaterials und langsamen behördlichen Verfahren. Das verteuert zudem den Bau.

pre/tv