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Aktien Schweiz: Abwärtstrend hält an - Konjunktursorgen belasten

Zürich (awp) - Die Anleger am Schweizer Aktienmarkt bleiben am Mittwoch auf der vorsichtigen Seite und halten sich zurück. Der Markt tendiert daher auf breiter Front schwächer. Gehaltene Kurse der Schwergewichte Roche und Nestlé bewahren den Markt aber vor einem stärkeren Rückgang. Händler erklären sich die Verluste vor allem mit den Konjunktur- und Inflationssorgen. Am Vortag hatte der unerwartet starke Rückgang des Konsumentenvertrauens in den USA die Konjunktursorgen verstärkt und breite Kursabschläge ausgelöst. Zudem weckte der neuerliche Anstieg der Rohöl- und Gaspreise die Inflations- und Zinsängste, was die Verluste noch verstärkte. Dabei standen einmal mehr die Wachstumswerte besonders unter Druck.

Der Rückgang des US-Konsumentenvertrauens sei besonders enttäuschend, denn der Konsum gilt als das Rückgrat der US-Wirtschaft. Sollte der Konsum weiter nachgeben, wäre dies ein klares Zeichen dafür, dass die USA auf eine Rezession zusteuerten, heisst es in einem Kommentar. Daher steht der revidierte Wachstumsausblick der Experten der Credit Suisse nun "an der Klippe zur Rezession". Auch in der Schweiz deutet einiges auf Abkühlung hin. So ist der CS-CFA-Society-Switzerland-Indikator, der die Erwartungen von Analysten misst, im Juni auf den tiefsten Stand seit 2015 gesunken.

Der SMI notiert um 11.00 Uhr um 0,55 Prozent tiefer auf 10'749,62 Punkten, nachdem er bei Handelsbeginn noch knapp 1 Prozent nachgegeben hatte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verliert 0,73 Prozent auf 1650,14 und der breite SPI 0,56 Prozent auf 13'848,53 Zähler. Von den 30 SLI-Werten geben 28 nach und zwei legen zu.

Die stärksten Einbussen verzeichnen die Technologietitel, die damit den negativen Vorgaben der US-Börse Nasdaq nach unten folgen. Zudem haben die Banken UBS und Vontobel ihre Kursziele für einige dieser Titel gesenkt. Angeführt von AMS Osram büssen Logitech, VAT, Comet Sensirion und Inficon zwischen 2,7 und 0,7 Prozent ein. Die Analysten weisen in ihren Studien unter anderem auf den Chipmangel hin.

Temenos fallen um 0,5 Prozent. Die Aktien des Bank-Softwareherstellers werden laut Händlern einerseits von der Entwicklung im Finanzsektor und anderseits von der im Technologiebereich beeinflusst. Zuletzt hatten ausserdem Übernahmespekulationen den Aktienkurs bewegt. "Die jüngste schwache Kursentwicklung deutet nun aber daraufhin, dass die viel kolportierten Übernahmegespräche möglicherweise abgebrochen wurden", sagt ein Händler.

Konjunktursorgen machen sich laut Händlern bei den Aktien von zyklischen Firmen wie Adecco (-2,0%), Holcim (-1,4%), ABB (-0,8%) und Sika (-1,0%) negativ bemerkbar.

Ebenfalls tiefer stehen die Finanzwerte Partners Group (-1,8%), Julius Bär (-1,4%) und UBS (-0,9%). Credit Suisse (-1,3%) hatte sich am Vortag an einem Investorenanlass um das Vertrauen der Börsianer bemüht. Sie sieht sich demnach auf gutem Weg, die Kostenziele zu erfüllen. Fortschritte sieht die Bank auch im Bereich Compliance und Risikomanagement.

Gut schlagen sich dagegen die defensiven Schwergewichte Roche (+0,2%) und Givaudan (+0,3%) sowie relativ gesehen Nestlé (-0,1%). Dagegen fallen Novartis um 0,8 Prozent.

Ebenfalls besser als der Markt zeigen sich die Versicherer Zurich (-0,02%) und Swiss Re (-0,1%). Swiss Life (-0,7%) aber geben mehr nach. Versicherer gelten wegen ihrer vergleichsweise hohen Dividendenrendite als attraktiv. Zudem machten ihnen steigende Zinsen weniger zu schaffen als anderen Branchen, heisst es am Markt.

Am breiten Markt fallen Orascom negativ auf. Der Titel bricht bei überdurchschnittlichen Umsätzen 8,4 Prozent ein, was sich Händler nicht erklären können.

Dagegen ist bei Santhera die Ursache für das Kursminus von 4,4 Prozent schnell gefunden. Bei dem wichtigen US-Zulassungsantrag für das Schlüsselmedikament Vamorolone dürfte sich der Beginn der offiziellen Überprüfung um vier bis sechs Monate verzögern.

pre/rw